Kardinal Woelki – In Rettungsweste gegen Flüchtlingspolitik

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln.
Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln.
Foto: imago stock&people / imago/Sven Simon
  • Der Kölner Kardinal Woelki kritisiert die europäische Flüchtlingspolitik als zynisch
  • Am Rhein zog er sich eine Rettungsweste an, wie sie auch viele Bootsflüchtlinge tragen
  • Im vergangenen Jahr sorgte er bereits mit einem Altar aus einem Flüchtlingsboot für Aufsehen

Köln.  Die deutsche und europäische Flüchtlingspolitik bringt den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki in Rage. Erneut seien im Mittelmeer mehr als 1.000 Flüchtlinge qualvoll ertrunken - „im schönen blauen Badewasser, wo viele von uns gerade noch Urlaubsfreuden hatten“, sagte Woelki am Sonntag im Kölner Domradio. „Da kann und will ich nicht zur Tagesordnung übergehen.“

Woelki zeigte seine Kritik an der Abschottungspolitik der EU auch optimistisch. Vor der Kulisse des Rheins zog er sich eine rote Rettungsweste um, wie sie die Bootsflüchtlinge im Mittelmeer oft tragen.

Woelki nennt Flüchtlingspolitik „zynisch“

Es ist nicht das erste Mal, dass der Kardinal mit einer aufsehenerregenden Aktion gegen die Flüchtlingspolitik protestiert. Im vergangenen Jahr hatte er etwa für das Pontifikalamt zu Fronleichnam ein Flüchtlingsboot aus dem Mittelmeer vor dem Kölner Dom aufbauen lassen. In seiner Predigt mahnte er einen verstärkten Einsatz für Flüchtlinge an.

Auch jetzt kritisierte Woelki, viele Flüchtlinge würden „zurück in die Horrorlager nach Libyen“ geschafft, wo sie erneut verraten, verfolgt, verprügelt und vergewaltigt würden. „Aber wir haben so eine saubere Weste und weniger Flüchtlinge. Ich finde, das ist zynisch“, sagte Woelki.

Der Kardinal verteidigt in dem Video auch die ehrenamtlichen Seenotretter. „Wenn ich aktuell höre, die privaten Hilfsaktionen würden die Rettung behindern oder hätten gar Schlepper begünstigt, so werde ich richtig ärgerlich“, wettert er. „Jugend rettet“ oder „MOAS“ hätten ihre Rettungsaktionen erst gestartet, als bereits viele Menschen im Meer ertrunken seien. „Sie haben mit ihren engagierten Hilfsarbeiten begonnen, weil unsere staatliche und europäische Hilfe halbherzig war und oft viel zu spät kam“, so Woelki.

 
 

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