Kardinal Meisner provoziert Muslime mit Lob an Christen

Kardinal Meisner feiert mit Soldaten Gottesdienst im Dom.
Kardinal Meisner feiert mit Soldaten Gottesdienst im Dom.
Foto: Oliver Berg
Der scheidende Kölner Kardinal preist christliche Familien mit vielen Kindern - und stößt mit einem missratenen Vergleich die Muslime vor den Kopf. Die Reaktion ist entsprechend. Und Meisner beeilt sich zurückzurudern.

Köln. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat mit einer Äußerung über Muslime für Empörung gesorgt. "Ich sage immer, eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien", hatte der 80 Jahre alte Erzbischof bei einer Veranstaltung des "Neokatechumenalen Weges", einer konservativen katholischen Bewegung, in Köln gesagt.

Vertreter muslimischer Organisationen daraufhin empört. Bekir Alboga von der Türkisch-Islamischen Union Ditib sagte dem "Stadt-Anzeiger": "Man stelle sich vor, ein muslimischer Würdenträger in vergleichbarer Position würde diesen Satz formulieren - ein Empörungsschrei ginge durch die Gesellschaft."

"Sarrazin-ähnliche Äußerungen"

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, wertete die Äußerung des scheidenden Kardinals als Versuch, "sich mit Sarrazin-ähnlichen Äußerungen über Muslime einen rustikalen Abgang zu sichern". Meisner bediene Ressentiments und islamfeindliche Stimmungen, "die wir so von der katholischen Kirche und besonders vom neuen Papst nicht kennen", sagte Mazyek.

Der religionspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Volker Beck, forderte eine Entschuldigung von Meisner. "Seine Äußerungen gefährden den öffentlichen Frieden", kritisierte Beck in Berlin. Das Christentum fordere "von uns Respekt vor allen Menschen". Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), sprach gegenüber dem "Kölner Stadtanzeiger" von der "persönlichen Meinung eines katholischen Würdenträgers", die sie nicht kommentiere, "auch wenn ich sie nicht verstehe".

Meisner bedauert, "unglückliche Wortwahl"

Aus einem Videomitschnitt auf der Website des Erzbistums geht hervor, dass Meisner katholische Familien mit vielen Kindern lobt. Er habe Vorbehalte im Vatikan gegen den "Neokatechumenalen Weg" immer mit dem Hinweis zurückgewiesen, dahinter stehe "die Glaubenskraft von Eheleuten, die zehn Kinder in die Welt setzen".

In einer Reaktion auf die wütenden Proteste bedauerte Meisner, Irritationen ausgelöst zu haben. "Es war keineswegs meine Absicht, Menschen anderen Glaubens damit zu nahe zu treten", versicherte der 80 Jahre alte Erzbischof am Mittwoch in einer Stellungnahme. "Meine Wortwahl war in diesem Fall vielleicht unglücklich. (...) Ich habe schon verschiedentlich gesagt, dass muslimische Familien unserer überalternden Gesellschaft in manchem ein Beispiel geben."

In der Vergangenheit hat Meisner des öfteren beklagt, dass es heute in Deutschland viel zu wenige Kinder gebe. In diesem Zusammenhang hatte er muslimische Familien - die meist mehrere Kinder hätten - als Vorbild empfohlen. (dpa/afp)