Kanzlerin Merkel will Migration als Chance nutzen

CDU-Konferenz mit Angela Merkel (CDU): So wie Deutschland heute weltweit für die erfolgreiche Wiedervereinigung bewundert werde, so habe die Republik auch das Potenzial, „ein tolles Integrationsland“ zu werden.
CDU-Konferenz mit Angela Merkel (CDU): So wie Deutschland heute weltweit für die erfolgreiche Wiedervereinigung bewundert werde, so habe die Republik auch das Potenzial, „ein tolles Integrationsland“ zu werden.
Foto: dpa
Deutschland sollte die Chancen der Zuwanderung nach Ansicht von Kanzlerin Angela Merkel stärker nutzen. Das Land habe die Möglichkeit, „ein tolles Integrationsland“ zu sein, sagte Merkel am Mittwoch bei einer Konferenz ihrer Partei zum Thema Zuwanderung. Migration müsse als Chance verstanden werden.

Berlin.. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den rund vier Millionen Muslimen in Deutschland den Rücken gestärkt und für mehr Offenheit gegenüber Zuwanderern geworben: „Der Islam gehört inzwischen zu Deutschland“, so wie es der frühere Bundespräsident Christian Wulff gesagt habe, erklärte Merkel in Berlin. „Ein Angriff auf eine Moschee ist ein Angriff auf unsere Grundwerte.“

Die Kanzlerin nannte es ein wichtiges Signal, dass sich die muslimischen Verbände in Deutschland in einem Aufruf gegen Hass und Gewalt gestellt hätten. Erst vor sechs Tagen hatte ein Islamist aus NRW per Video der Kanzlerin gedroht. Dass eine Religion missbraucht werde, gebe es überall, sagte Merkel.

CDU wirbt um Zuwanderer

Sie sprach auf einer CDU-Konferenz, mit der die Partei Migranten zu einem Engagement in der Union ermutigen wollte. Zuwanderer sind eine der Gruppen, auf die die Parteispitze jetzt verstärkt ihre Mitgliederwerbung ausrichtet – und auch auf Muslime zugeht.

Doch ein Streit um die Rolle des Islam in Deutschland wirkt in der Union bis heute nach, Merkel nahm darauf nun Bezug: Als der damalige Bundespräsident Wulff 2010 erklärte, der Islam gehöre zu Deutschland, protestierten konservative Unions-Politiker, unter anderem Bundestags-Fraktionschef Volker Kauder.

Als „Zonenwachtel“ beschimpft

Der Streit gärte lange, auch Bundespräsident Joachim Gauck ging später auf Distanz zu Wulff. Der wirft heute konservativen Medien vor, sie hätten unter anderem wegen seiner Islam-Äußerung eine Treibjagd auf ihn begonnen. Die CDU-Chefin mahnte, bei der Zuwanderung sollten mehr die Chancen in den Blick genommen werden.

So wie Deutschland heute weltweit für die erfolgreiche Wiedervereinigung bewundert werde, so habe die Republik auch das Potenzial, „ein tolles Integrationsland“ zu werden. Merkel zog dabei auch sehr persönlich Parallelen: In Westdeutschland sei sie nach der Wende als Ostdeutsche zuerst auch „ein bisschen komisch angeguckt worden“, man habe sie sogar als „Zonenwachtel“ beschimpft.

Merkels Charmeoffensive gegenüber Migranten ist Teil einer größeren Kampagne der CDU: „Wir wollen auch die Union für Zuwanderer werden“, so Generalsekretär Peter Tauber. Der Nachholbedarf ist groß. Probleme mit der Beteiligung von Migranten haben alle im Bundestag vertretenen Parteien, die Union steht aber besonders schlecht da.

Während fast jeder fünfte Bürger ausländische Wurzeln hat, liegt der Anteil der Abgeordneten mit Migrationshintergrund in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion nach Berechnungen des Mediendienstes Integration bei knapp drei Prozent. Bei der SPD sind es 6,3, bei Linken und Grünen jeweils rund elf Prozent.

 
 

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