Kampagne für Frauen auf der Kanzel

Rom..  Die Bilder zeigen einen Tabubruch in der katholischen Kirche: Frauen im Priesteramt. Ab Montag sollen die ersten Poster der feministischen Fotografin Giulia Bianchi in den Straßen von Rom um den Vatikan herum zu sehen sein. Mit ihrer Kampagne will sie auf die Frauen aufmerksam machen, die mit ihrer Berufung gegen das Kirchenrecht verstoßen.

Bianchi beschäftigt sich seit fünf Jahren mit den Rebellinnen. Dabei hat die Fotografin auch ihren eigenen Glauben wiedergefunden und Theologie studiert. „Sie erinnern mich an die Suffragetten“, sagt die 38-jährige Künstlerin über die katholischen Priesterinnen der heutigen Zeit. „Sie repräsentieren eine Form des Feminismus, der umfassend, egalitär und mitfühlend ist.“

Bianchi hat die Erlaubnis der Stadt Rom erhalten, 100 Straßenplakate mit den Bildern von 10 Priesterinnen aufzuhängen.

Die abgebildeten Frauen gehören einer weltweiten Bewegung von rund 200 Priesterinnen an – einschließlich 10 Bischöfinnen –, die der katholischen Liturgie mit nur wenigen Änderungen folgen. Zum Beispiel bezeichnen sie Gott als „Heiligen Vater und Mutter“ oder „Das Heilige“ statt „Heiliger Vater“.

Bianchis Kampagne beginnt nur zwei Wochen nach der Ankündigung von Papst Franziskus, eine Kommission zur Prüfung des Diakonats für Frauen einsetzen zu wollen.

Das Diakonat ist derzeit nur Männern zugänglich. Als erste sakramentale Weihestufe kann es entweder ein Schritt auf dem Weg ins Priesteramt sein oder eine Möglichkeit, als ständiger Diakon bestimmte liturgische Aufgaben zu übernehmen. Im zweiten Fall können auch verheiratete Männer die Rolle übernehmen.

„Die Aussage des Papstes ist historisch“, sagt Bianchi. Unter Johannes Paul II. sei dies undenkbar gewesen. Aber Bianchi fürchtet eine Kompromisslösung, die Frauen keine vollständige Gleichstellung in der Kirche geben würde.

Die ersten Anzeichen sind nicht gut. Nur einen Tag nach dem päpstlichen Paukenschlag sagte der deutsche Kardinal Walter Kasper, dass eine Einigung auf ein weibliches Diakonat „keine leichte Angelegenheit“ sei. Bislang gibt es auch kein Datum für eine Zusammenkunft der Kommission. Bianchi glaubt, dass eine Öffnung der katholischen Hierarchie für Frauen ein jahrhundertealtes Unrecht wiedergutmachen könnte. „Es ist nicht nur eine Frage der Gleichstellung. Es geht darum, mit der im Mittelalter verbreiteten Idee zu brechen, dass Frauen nicht das Göttliche repräsentieren können.“ Das sei tatsächlich entwürdigend.

 
 

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