Junge Türkei: Mindestens drei Kinder pro Familie

Istanbul. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat die Türken zum Kinderkriegen ermuntert. Er wolle, dass jede Familie in seinem Land mindestens drei Kinder zur Welt bringe, sagte Erdogan nach Presseberichten.

Nur so könne die Türkei ein junges Land bleiben. Sollte der derzeitige Trend bei den Geburtenraten anhalten, werde die Türkei im Jahr 2030 Überalterungsprobleme bekommen, wie es sie in westlichen Ländern jetzt schon gebe, erklärte Erdogan. «Macht mindestens drei Kinder, wenn unsere junge Bevölkerung nicht zurückgehen soll», wurde Erdogan zitiert. Er selbst habe vier Kinder, wünschte aber, er habe noch mehr.

Frauenverbände und Familienplaner kritisierten die Äußerungen des Ministerpräsidenten. Mit einem Durchschnittsalter von 28,3 Jahren ist die Türkei im Vergleich zu europäischen Staaten ein sehr junges Land. Ipek Ilkkaracan, Chefin des Frauenverbandes KIHYCD, bezeichnete Erdogans Rede als «Skandal». In einem Rechtsstaat habe der Ministerpräsident kein Recht, den Frauen vorzuschreiben, wieviele Kinder sie in die Welt zu setzen hätten, sagte Ilkkaracan dem türkischen Nachrichtensender NTV.

Canan Arin vom Verband MCV sagte, Frauen sollten so viele Kinder zur Welt bringen, wie sie selbst wollten und versorgen könnten. Familienexperten warfen Erdogan zudem vor, mit seinem Appell unverantwortlich gehandelt zu haben. Mustafa Ruhi Sirin von der türkischen Kinderstiftung betonte, in der Türkei müsse jedes fünfte Kind arbeiten, um zum Familieneinkommen beizutragen. Erdogans Appell laufe auf einen «unkontrollierten Bevölkerungszuwachs» hinaus. (AFP)

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