Junge Migranten nicht gewalttätiger

Düsseldorf. Junge Migranten sind nicht häufiger in Gewaltdelikte verwickelt als ihre deutschen Altersgenossen. Zu diesem Schluss kommt eine Langzeitstudie mit 3400 Jugendlichen in Duisburg. Stabile Bindungen in der Familie und Nachbarschaft, aber auch Bildungschancen durch ein gutes Schulangebot sind nach Ansicht der Wissenschaftler wichtige präventive Faktoren. Auch die Orientierung an traditionellen Werten sowie geringerer Alkoholkonsum von ausländischen Jugendlichen verhinderten, dass sie häufiger gewalttätig werden. Die Ergebnisse der Studie seien auf andere deutsche Großstädte übertragbar.

Seit zwölf Jahren befragen der Kriminologe Klaus Boers (Uni Münster) und der Soziologe Jost Reinecke (Uni Bielefeld) regelmäßig dieselben Duisburger Schüler – anfangs im Alter von 13 Jahren – und untersuchen den Einfluss von Gewaltmedien, Erziehungsstilen und Freundeskreisen. Dabei fanden sie außerdem heraus, dass auch jugendliche „Intensivtäter“ häufig den Weg zurück in die Normalität finden. Die Zahl ihrer Delikte gehe, wenn auch meist erst ab dem sechzehnten Lebensjahr, deutlich zurück. Der Satz „Einmal Verbrecher, immer Verbrecher“ treffe nicht zu, sagte Boers. Nach Ansicht der Autoren widerlegen ihre Befunde gängige Vorurteile. Sie würden durch Studien in Dortmund oder Nürnberg bestätigt.

Familie und Schule vermitteln erfolgreich Werte und Normen

84 Prozent aller Jungen und 69 Prozent der Mädchen begehen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren eine leichte bis mittelschwere Straftat, unabhängig von Herkunft und Status. Doch Boers und Reinecke haben auch herausgefunden, dass Polizei und Justiz meist gar nicht eingreifen müssen. „Nach einem schnellen Anstieg zum Ende des Kindesalters geht die Delinquenz bereits ab dem 15. bis 17. Lebensjahr wieder weitgehend zurück“, so ihr Befund. Die Professoren werten das als Beleg, dass Werte und Normen durch Familie und Schule erfolgreich vermittelt würden.

Immerhin werden sechs bis acht Prozent zu Intensivtätern, die in ihrer Altersgruppe die Hälfte aller Straftaten und über drei Viertel der Gewaltdelikte verüben. Doch auch hier schaffen viele ab 16 Jahren allmählich den Absprung.

Kritisiert wird übermäßiger Konsum von Gewaltspielen. Zumindest indirekt könne dies die Hemmschwelle senken, selbst Gewalt auszuüben.

 
 

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