Junge Familien gehen oft leer aus

Berlin.  Die Große Koalition hat ein großes Herz. Vor allem für Rentner. Mütterrente, Lebensleistungsrente, Rente mit 63 – alles fest versprochen. Aber tut sich auch was für die jungen Familien? Es wird Zeit: Die Geburtenrate ist im Keller, Deutschland hat die älteste Bevölkerung in Europa. Aus armen Kindern werden viel zu oft arme Erwachsene – Chancengleichheit sieht anders aus. Hinzu kommt: Die Mehrheit der Eltern wünscht sich bessere Betreuung in Kitas und Schulen, bessere Teilzeitmodelle – und weniger Stress. Was bringt die Große Koalition für die Familien? Ein Faktencheck.

Mehr Hilfe für arme Kinder?

Der Staat gibt bereits jetzt jedes Jahr 200 Milliarden Euro für Ehen und Familien aus. Experten kritisieren das: Zu viel Gießkanne, zu wenig zielgerichtet. Die SPD wollte das ändern und das Kindergeld künftig ans Einkommen koppeln, um damit ärmere Familien zu bevorzugen - sie hat sich nicht durchgesetzt. „Das Wort Kinderarmut kommt im Koalitionsvertrag nicht einmal vor“, kritisiert das Kinderhilfswerk. Auch die von der Union im Wahlkampf angekündigte Verbesserung beim Kinderzuschlag für Geringverdiener ist gestrichen. Und eine Kindergrundsicherung, wie sie viele Fachleute mittlerweile vorschlagen? Kein Wort davon. Ein kleines Plus gibt es für Alleinerziehende: Der steuerliche Entlastungsbetrag von derzeit 1308 Euro soll angehoben und künftig nach der Zahl der Kinder gestaffelt werden.

Fazit: Viele Eltern mit kleinem Einkommen haben vergeblich auf mehr Geld gehofft.

Bessere Kinderbetreuung?

Das acht Milliarden schwere Ganztagsschulprogramm der SPD ist gestrichen. Die Koalition will aber an anderer Stelle Geld ausgeben: Länder und Kommunen sollen in den nächsten vier Jahren sechs Milliarden Euro zusätzlich für die Finanzierung von Kitas, Schulen und Unis bekommen. Das klingt gut. Doch vollkommen unklar ist, wie viel vom Geldsegen am Ende bei den Kindern ankommt. Kleinere Gruppen? Mehr Personal? Bessere Förderung? Zielgerichtete Zusatzausgaben für mehr Qualität gibt es nicht. Die SPD wollte ursprünglich die Milliarden, die das Betreuungsgeld kostet, in die Verbesserung der öffentlichen Angebote stecken. Die Mehrheit der Länder, glaubt SPD-Vize Manuela Schwesig, hätte da mitgezogen. Die CSU aber war dagegen. Nur Karlsruhe kann das Betreuungsgeld jetzt noch stoppen.

Fazit: Auf hochwertige Betreuung vom Krabbelkind bis zum Teenager werden viele Eltern weiter warten.

Mehr Spielraum für Eltern?

Eltern, die nach der Geburt nicht aus dem Job aussteigen, sondern in Teilzeit weiterarbeiten, sollen besser gestellt werden. So könnten berufstätige Mütter oder Väter künftig ohne Verluste bis zu 28 Monate lang Elterngeld erhalten. Das kommt vor allem Alleinerziehenden zugute. Mit einem „Partnerschaftsbonus“ von zehn Prozent des Elterngeldes sollen diejenigen Paare zusätzlich belohnt werden, die sich die Kinderbetreuung teilen und parallel ihre Arbeitszeit auf 25 bis 30 Stunden reduzieren - geschätzte Kosten: 60 Millionen Euro. Die Koalition plant darüber hinaus ein Rückkehrrecht in Vollzeit für alle, die ihre Arbeitszeit phasenweise für Kinder oder Pflege reduziert haben. Vor allem Väter fürchten oft, den beruflichen Anschluss zu verpassen, wenn sie sich mehr Zeit für die Familie nehmen.

Fazit: Die Richtung stimmt. Teilzeit für beide Eltern – das wünschen sich viele Paare. Leisten können sich das oft aber nur Gutverdiener.

 
 

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