"Juhuuuu" - Spott für Grünen-Video aus dem EU-Parlament

Die Grünen-Abgeordnete Ska Keller, Terry Reintke  und Jan Philipp Albrecht berichten auch via Youtube-Video von ihren Erlebnissen im Europaparlament.
Die Grünen-Abgeordnete Ska Keller, Terry Reintke und Jan Philipp Albrecht berichten auch via Youtube-Video von ihren Erlebnissen im Europaparlament.
Foto: Funke Digital
Per Youtube-Video informieren drei deutsche Grünen-Abgeordnete von ihren Erlebnissen im Europaparlament. Das jüngste Video mit Ska Keller, Jan Philipp Albrecht und Terry Reintke sorgt jedoch für Spott im Netz - und offenbart ein bizarres Demokratieverständnis.

Essen. Die nächste Europawahl ist in fünf Jahren. Für die meisten Wähler ist schon das zu viel der Information. Noch nicht mal jeder zweite Wähler in Deutschland suchte zur jüngsten Europawahl am 25. Mai ein Wahllokal auf. Das Interesse am politischen Geschehen in Europa ist angesichts von 43,09 Prozent Wahlbeteiligung bundesweit nicht allzugroß. Um so besser, könnte man sagen: Wenn man so sieht, was die Abgeordneten in Brüssel bzw. in Straßburg so treiben.

Für die Grünen gaben jüngst die deutschen Abgeordneten Jan Philipp Albrecht, (Franzi)Ska Keller und die Gelsenkirchener Jung-Grüne Terry Reintke per Youtube-Video ein Bild davon, was im Europaparlament so abgeht. Das Echo im Netz ist zum Teil vernichtend.

Parlamentsbericht als Kasperletheater

Da sind auch Parteifreundinnen sauer, wie etwa Eva Viehoff, stellvertretende Landrätin in Cuxhafen: "Ehrlich, das meint ihr nicht ernst, oder? Danke für den Spott, den wir jetzt ertragen dürfen. BITTE professioneller" twittert Sie Jan Philip Albrecht an. "Ist das eine Satire v. "Switch Reloaded"?!" fragt ein Nutzer auf Ska Kellers Facebookseite. "Ihr übt für ne zweitkarriere als kinderfernsehenmoderator. aber funktioniert nicht yeah", schreibt dort ein anderer. Auf Youtube erntet das Video mehr als 2200 mal ein "Mag ich nicht", aber nur 167 mal die Wertung "Mag ich". Abgerufen wurde es dort bereits fast 211.000-mal.

Für Diskussionen sorgt jedoch nicht alleine die kasperletheaterhafte Anmoderation, bei der die drei Grünen-Abgeordneten nervös vor der Kamera herumzappelnd von ihrer ersten Parlamentswoche berichten und Terry Reintke mit einem fröhlichen "Juhuuuu!" ins Bild springt. Vielmehr offenbaren die dann schülerhaft vorgetragenen Referate von Reintke und Albrecht auch ein bizarres Demokratieverständnis.

"Wütend" über "komische Leute" im EU-Parlament

"Total aufregend" sei die erste Parlamentswoche gewesen, man sitze nun in "ganz spannenden Ausschüssen", etwa im Frauenausschuss. Dort aber, klagt die im knallgrünen T-Shirt auftretende Reintke, werde ihre Arbeit "bestimmt ziemlich nervig", weil sie gezwungen sei gemeinsam "mit komischen Leuten" in den gleichen Räumen zu sitzen. So habe es Reintke "wütend gemacht", zu sehen, dass auf der Besetzungsliste des Frauenausschusses auch die AfD-Abgeordnete Beatrix von Storch auftauche: Reintke erwarte deshalb Sitzungen "mit so ganz vielen homophoben und antifeministischen Ausfällen". Und Jan Philipp Albrecht empfindet es "als ein Grundsatzproblem", dass man es im Europaparlament auch mit Abgeordneten zu tun habe, "die nicht die gleichen Auffassungen von Gleichstellung haben wie wir".

"Ist (das) jetzt die Grundaussage, dass die Grünen sich für die Abschaffung anderer Meinungen einsetzen?", fragt eine Nutzerin auf Ska Kellers Facebookseite. Ein anderer kritisiert: "Das ist echt abartig wenn man sofort als EU-Hasser oder gar als Homophob hingestellt wird wenn man nicht mit der Herde mitzieht!".

Die Kritik hat man bei den Grünen registriert - insbesondere die am Auftreten: "Wir nehmen diese Reaktion ernst und können sie trotz unseres Anspruchs, keine langweiligen Politikervideos zu produzieren, auch verstehen", antwortet Ska Keller auf Anfrage. "Nicht immer gelingt der schmale Grat zwischen unterhaltsamer Komik und ernsthaften Inhalten - daran werden wir in Zukunft gerne arbeiten", teilt sie mit. Seit fünf Jahren berichtet die Grünen-Europapolitikerin "in jeder Strasbourg-Woche aus dem Parlament". Eine derartiges großes und kritisches Echo habe man bis dato nicht gehabt. (dae/WE)

 
 

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