Jugend: Ja zur Politik, nein zu Parteien

Berlin.  Die Jugend wird politischer. „Die junge Generation befindet sich im Aufbruch“, sagt Mathias Albert von der Universität Bielefeld, der die Shell-Jugendstudie leitete, die gestern in Berlin vorgestellt wurde. Immer mehr Jugendliche entdeckten ihr Interesse für das Weltgeschehen. So gab fast die Hälfte der befragten 15- bis 24-Jährigen an, sich für Politik zu interessieren. Seit 2002 steigt dieser Anteil stetig. Den etablierten Parteien bringen sie aber wenig Vertrauen entgegen.

Und auch die Flüchtlingssituation, die vielen Deutschen Sorge bereitet, sieht die Jugend viel entspannter. Wie aus der Studie hervorgeht, spricht sich eine Mehrheit von 54 Prozent dafür aus, generell genauso viele oder sogar mehr Zuwanderer aufzunehmen wie bislang. Speziell auf Flüchtlinge bezogen, sind sogar 60 Prozent dafür, wie Studienleiter Albert sagte.

Die insgesamt 2558 12- bis 25-Jährigen, die für die Studie im Auftrag des Mineralöl-Unternehmens Shell befragt wurden, gaben ihre Antworten allerdings zu Anfang des Jahres und damit vor der Zuspitzung der Flüchtlingssituation im Sommer. Albert zeigte sich trotzdem überzeugt, dass die Antworten aktuell kaum anders ausfallen würden. Die Langzeitstudie messe Trends, die sich in kurzer Zeit nicht wesentlich veränderten, sagte er. Zudem sei auch damals die Zahl der Flüchtlinge bereits relativ hoch gewesen.

Der Langzeittrend zeigt sich bei der Skepsis gegenüber Zuwanderern, die deutlich abgenommen hat: 37 Prozent sprachen sich in der aktuellen Befragung für eine Begrenzung von Zuwanderung aus. 2002 waren es 48, 2006 sogar 58 Prozent. 29 Prozent macht die Zuwanderung Angst. Deutlich größere Sorgen bereitet den jungen Menschen aber die wachsende Fremdenfeindlichkeit. 48 Prozent haben Angst davor, 2010 waren es 40 Prozent.

Während Albert zufolge bei vielen Themen die Unterschiede zwischen Ost und West kaum noch vorhanden sind, treten sie beim Thema Zuwanderung weiter zutage. Im Westen sind 35 Prozent der jungen Menschen für eine Begrenzung von Zuwanderung, im Osten fast die Hälfte (49 Prozent).

Insgesamt blickt die junge Generation zunehmend optimistisch in die Zukunft. Sorge bereitet ihr aber der Blick auf die künftige Berufstätigkeit und die Vereinbarkeit mit der Familie. Das wirkt sich auf den Kinderwunsch aus: 2010 wünschten sich noch 69 Prozent der jungen Menschen Kinder, aktuell sind es noch 64 Prozent.