Jetzt muss der Papst über den künftigen Kurs entscheiden

München.  Die katholischen Bischöfe in Deutschland wollen gemeinsame Konsequenzen aus der Familiensynode in Rom ziehen, aber zunächst die Entscheidung des Papstes abwarten. „Jetzt ist er dran“, sagte der Berliner Erzbischof Heiner Koch am Montag in Bonn. Auf Basis der Empfehlungen der Bischöfe soll Franziskus entscheiden, welchen Kurs die Kirche künftig bei den Streitthemen Ehe und Familie fährt. Anschließend planen die deutschen Bischöfe ein gemeinsames Hirtenwort, damit nicht jedes Bistum einen anderen Weg einschlägt.

Nach Ansicht des Münchner Kardinals Reinhard Marx hat die Synode den Gläubigen viele Freiräume eröffnet. „Da ist die Gewissensentscheidung des Einzelnen gefragt in vielen Punkten“, sagte Marx in München. „Da haben wir nicht hineinzuregieren.“ Das Abschlussdokument verzichte daher auf eine lehrhaft verurteilende Sprache.

Seelsorger vor Ort ist gefragt

Bei der Frage, wie die Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen umgehe, sei vor allem der Seelsorger vor Ort gefragt, betonte Marx, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist. „Das mag alles nicht viel sein für manche, aber es ist sehr viel für den gemeinsamen Weg in der Kirche.“

Die am Sonntag beendete Synode machte wiederverheirateten Geschiedenen vage Hoffnung auf eine Zulassung zur Kommunion und regte eine Einzelfallprüfung an, ohne konkrete Schritte vorzuschlagen. Der Schlusstext blieb hinter den Reformvorschlägen der deutschen Sprachgruppe zurück. Beim Thema Umgang mit Homosexuellen gab es kaum Bewegung. „Ich kann nicht sagen, wer gewonnen, wer verloren hat“, sagte Erzbischof Marx. Die Abschlussansprache des Papstes sei aber der Schlüssel für die Interpretation der Synodentexte. Franziskus hatte darin gesagt, die erste Pflicht der Kirche sei es nicht, zu verurteilen, sondern die Barmherzigkeit zu verkünden.

 
 

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