Jäger schickt Kölns Polizeichef in den Ruhestand

Düsseldorf..  Eine Woche nach den massenhaften sexuellen Übergriffen in der Kölner Silvesternacht hat NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) den Polizeipräsidenten Wolfgang Albers in den einstweiligen Ruhestand versetzt. „Meine Entscheidung war notwendig, um das Vertrauen der Öffentlichkeit und die Handlungsfähigkeit der Kölner Polizei zurückzugewinnen“, sagte Jäger gestern. Der 60-jährige Sozialdemokrat Albers hatte sich gegen einen Rücktritt gesperrt.

Zuvor hatten sich Hinweise auf Flüchtlinge unter den Tätern weiter verdichtet. Die Kölner Polizei hat einige bei den Tumulten auf der Domplatte gestohlene Handys in Flüchtlingsheimen geortet. Insgesamt ermittelt sie gegen 20 mutmaßliche Täter. Die Zahl der Anzeigen ist auf rund 170 gestiegen – drei Viertel wegen sexueller Übergriffe. Parallel meldete die Bundespolizei für ihren Zuständigkeitsbereich im und vor dem Kölner Bahnhof 32 Tatverdächtige, darunter 22 Asylbewerber.

Albers’ Polizeiführung wird neben einer falschen Lageeinschätzung vorgeworfen, den Flüchtlingsbezug der Übergriffe zunächst vertuscht zu haben. In der „Wichtigen Ereignismeldung“, die für alle Führungsebenen bis hin zum Minister bestimmt ist, sei der Hinweis auf Asylbewerber unter den Verdächtigen gegen den ausdrücklichen Protest des Einsatzleiters als „politisch heikel“ gestrichen worden. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) beklagte, man habe sie über das vollständige Bild der Einsatznacht im Unklaren gelassen.

Hintergrund der Vertuschung könnte nach WAZ-Informationen ein Erlass von Jäger an die Polizeibehörden sein, ab 1. Januar bei Straftaten im Zusammenhang mit Asylbewerbern nur noch das Schlagwort „Zuwanderer“ zu gebrauchen und nicht mehr „Flüchtling“.

Zudem schwelt zwischen dem Innenministerium und dem Kölner Polizeipräsidium ein Streit um die verfehlte Einsatzplanung. Das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste in Duisburg erklärte gestern, die Polizei habe das Angebot einer Verstärkung abgelehnt. Offenbar hatte die Landesleitstelle in Aussicht gestellt, für die Kölner Polizei eine Einsatzhundertschaft zu aktivieren. Dies sei erst um 23.30 Uhr passiert, hieß es in Köln.

 
 

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