Jäger räumt nach Essener Sikh-Anschlag Ermittlungspannen ein

Tobias Blasius
NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) sieht Fehler bei den Ermittlungen nach dem Anschlag auf den Essener Sikh-Tempel. Hinweisen sei nicht konsequent genug nachgegangen worden.
NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) sieht Fehler bei den Ermittlungen nach dem Anschlag auf den Essener Sikh-Tempel. Hinweisen sei nicht konsequent genug nachgegangen worden.
Foto: picture alliance / dpa
Der Essener Sikh-Anschlag war nach Meinung von Innenminister Jäger für die Behörden nicht erkennbar. Die Opposition spricht von „eklatantem Versagen“.

Düsseldorf. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat im Landtag Ermittlungspannen im Zusammenhang mit dem Terroranschlag auf den Sikh-Tempel in Essen Mitte April eingeräumt. „Was man anders bewerten muss“, sei aus heutiger Sicht der Umgang der Gelsenkirchener Polizei mit einer frühen Warnung des Schulleiters des mutmaßlichen Bombenlegers Yusuf T., sagte Jäger.

Schulleiter hatte sich an Polizei gewandt

Anfang des Jahres hatte sich der Schulleiter einer Gelsenkirchener Realschule an die Polizei gewandt. Der 16-jährige Yusuf T. habe mit dem Handy-Video von einer Explosion geprahlt. Die Beamten fertigten ei­nen Bearbeitungsvermerk, rieten dem Lehrer jedoch recht lapidar, er solle sich wieder melden, wenn das Video noch einmal die Runde mache. Weder das Landeskriminalamt noch das Innenministerium wurden informiert.

Yusuf T. wurde bereits 2014 im Landes-Präventionsprojekt „Wegweiser“ für junge Salafisten betreut. Später gab es bei ihm sogar eine Razzia. Auch der zweite 16-jährige Tatverdächtige aus Essen war den Sicherheitsbehörden bekannt. Ebenso der mutmaßliche Anführer Tolga I. aus Schermbeck, dessen Mutter sich mit Hinweisen auf Waffen und islamistische Aufzeichnungen an das Duisburger Polizeipräsidium gewandt hatte. Zudem sitzt seit Ende März ein 20-jähriger Mann aus Münster in Untersuchungshaft, dem eine Tatbeteiligung beim Essener Sikh-Anschlag vorgeworfen wird. Auch hier kamen die entscheidenden Tipps von der Mutter.

FDP-Fraktionsvize Joachim Stamp sprach von einem „eklatanten Versagen“ der Behörden. Es sei „vor Ort schlampig gearbeitet worden“. Jäger wies die Vorwürfe zurück. Dass die mutmaßlichen Bombenleger bekannt waren, zeige, „dass die Sicherheitsbehörden an den Richtigen dran sind“.

Jäger nennt „Wegweiser“-Projekt dennoch Erfolg

Auf das „Wegweiser“-Projekt, bei dem Jugendhilfe-Partner das Abrutschen von Heranwachsenden in den Salafismus verhindern sollen, lässt Jäger trotz des Anschlags nichts kommen. „Wir sind mit Präventionsprojekten in Deutschland ganz weit vorne“, sagte er. Unmittelbar nach dem Anschlag hatte das Innenministerium die Tatverdächtigen noch als Mitläufer der salafistischen Szene beschrieben, die nicht zum gewaltbereiten Kern zu zählen seien.