Italiens neue Regierung ist klein und jung

Paul Kreiner

Rom.  Mit der Vereidigung am Samstag Mittag und der ersten Ministerratssitzung hat die neue italienische Regierung ihre Arbeit aufgenommen. Dem 16-köpfigen Kabinett un­ter Führung von Matteo Renzi, dem Chef der sozialdemokratischen Partei (PD), gehören erstmals in der italienischen Geschichte gleich viele Frauen wie Männer an. Als die weiteren Eigenschaften der neuen Ministerrunde heben römische Kommentatoren deren Jugend (Durchschnittsalter 48 Jahre) hervor, die Un­erfahrenheit und die Tatsache, dass Renzi (39) bei der Postenbesetzung gegen allen Druck von außen seinen Kopf durchgesetzt habe. „Der Akrobat steht auf dem Hochseil, allein und ohne Netz“, schreibt die linksliberale „Repubblica“: „Scheitert er, dann bleiben uns nur noch die Clowns verschiedener populistischer Prägung.“

Gegenüber der Regierung des gleichfalls sozialdemokratischen Premiers Enrico Letta (47), den Renzi vor zehn Tagen in einer parteiinternen Revolte gestürzt hat, umfasst das neue Kabinett fünf Ministerposten weniger. Auffällig ist vor allem das Wegfallen ei­nes Europaministeriums. Ge­strichen wurden außerdem – durch die Parität bei der Ministerbesetzung quasi überholt – das Gleichstellungsministerium sowie das Ministerium für Integration.

Ohne Vorwarnung abgelöst wurde auch die weltweit angesehene Außenministerin Emma Bonino (65). An ihre Stelle rückt die außenpolitische Fachfrau des PD, Federica Mogherini (40), die aber weder internationale Verbindungen noch Erfahrung in der Leitung einer Ministeriums-Maschinerie besitzt.

Er fühle „alle Verantwortung, dem Land eine Regierung der Hoffnung zu geben“, sagte Renzi.