Israels Albtraum – wieder ein Soldat nach Gaza verschleppt

Die Entführung des Soldaten nahe der Stadt Rafah im südlichen Gazastreifen löste neue heftige Kämpfe aus.
Die Entführung des Soldaten nahe der Stadt Rafah im südlichen Gazastreifen löste neue heftige Kämpfe aus.
Foto: dpa
Eine Waffenruhe war angekündigt, doch dann entführte die Hamas einen israelischen Soldaten in den Gazastreifen. Hadar Goldin heißt er, 23 Jahre alt. So lange er Geisel ist, muss ein Waffenstillstand für Israel als ausgeschlossen gelten.

Jerusalem.. Kaum zwei Stunden hielt die humanitäre Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas. Gegen 9 Uhr schlich eine Gruppe militanter Palästinenser durch einen ge­heimen Tunnel im südlichen Gazastreifen nach Israel und überraschte dort eine Gruppe von Soldaten, die im Begriff war, den unterirdischen Eingang zu zerstören.

Einer der Angreifer sprengte sich offenbar selbst in die Luft, bevor es dem Kommando gelang, den israelischen Soldaten Hadar Goldin (23) in den Gaza­streifen zu verschleppen. Zwei Soldaten wurden bei dem Überfall getötet. Bei anschließenden Gefechten an der Grenze zu Ägypten starben mindestens 50 Palästinenser, hunderte Menschen wurden verletzt.

Es hätte eine Atempause werden sollen

Noch in der Nacht hatten Israel und die Hamas auf Druck der USA und der UN dem dreitägigen Waffenstillstand zugestimmt, der eine Atempause verschaffen sollte. Etwa 400 000 Palästinenser sind aus ihren Häusern geflohen. Mehr als 10 000 Gebäude sind komplett oder teil­weise zerstört worden, das Elektrizitätswerk im Gazastreifen arbeitet nur auf einem Drittel der normalen Kapazität. Nicht nur Palästinenserpräsident Abbas spricht von einer „humanitären Katastrophe“.

Jetzt machen sich beide Seiten für das Scheitern der Feuerpause verantwortlich. Und Mussa Abu ­Marsuk, die Nummer zwei im ­Hamas-Politbüro, erklärte, die Operation habe „vor Beginn der Waffenruhe“ stattgefunden.

Erinnerungen an den Fall Gilad Schalit

Die Entführung eines Soldaten ist der Albtraum für Israels Armee. ­Genau wie im Sommer 2006, als der Soldat Gilad Schalit von Hamas- ­Aktivisten entführt wurde, gelangten die Angreifer unbemerkt nach ­Israel. Schalit kam erst nach fünf­jähriger Geiselhaft frei – im Gegenzug wurden über 1000 Palästinenser aus israelischer Haft entlassen.

Für Israels Sicherheitsapparat ­bedeutet die Entführung auch eine Niederlage. Seit knapp vier Wochen sind tausende Soldaten im Einsatz. Ihr Auftrag: Die Tunnel zwischen dem Gazastreifen und Israel zu zerstören. Die Armee wusste von ­Plänen der Hamas, Soldaten in ihre Gewalt zu bekommen. Die Truppen waren zu besonderer Aufmerksamkeit angehalten. So lange Goldin Geisel ist, hält es der frühere israe­lische Sicherheitsberater Giora Eiland für ausgeschlossen, dass Israel einem Waffenstillstand zustimmt.

 
 

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