Israel: Terroristen auf Hilfskonvoi

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Tel Aviv..  Die Übernahme eines irischen Schiffes, das versucht hatte, die israelische Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen, verlief am Wochenende ohne Gewalt. Die Kaperung der Mavi Marmara durch israelische Kommandos hatte vor einer Woche neun Menschenleben gefordert.

Israel schlug gegenüber den irischen Aktivisten einen umgänglichen Ton an, stimmte die Organisatoren aber nicht versöhnlich: Sie bezeichneten die Übernahme der „Rachel Corrie“ als „Aggression“ und versprachen, weitere Konvois zu organisieren. Israel betonte die Unterschiede zwischen der Besatzung der Corrie und der Marmara.

Laut israelischer Armee gehörten etwa fünfzig der Reisenden auf der Marmara internationalen Terrornetzwerken an. Sie hätten wie eine militärische Einheit agiert: „Sie trugen kugelsichere Westen und waren in der Lage, uns mehr als 40 Minuten mit Gasmasken Widerstand zu leisten“, so ein Offizier. „Kein Zivilist würde einem Soldaten die Pistole abnehmen und wissen, wie man sie entsichert und feuert“, fuhr der Offizier fort. Die Aktivisten hätten das Schiff ohne Papiere betreten und je 10 000 US Dollar in bar mit sich geführt. Die Kämpfer wären getrennt von den Aktivisten an Bord gegangen, hätten eigenen Proviant mitgebracht und im Voraus geplant, die Soldaten mit tödlicher Gewalt anzugreifen, sagte Premierminister Benjamin Netanjahu.

Ein Kameramann des arabischen Senders Al Dschasira bestätigte die israelische Schilderung, laut der drei Soldaten von Aktivisten bewusstlos geschlagen und unter Deck gezerrt worden seien, bevor ihre Kameraden das Feuer eröffneten. Aufnahmen vom Funkverkehr zwischen der Marine und dem Konvoi der Marmara brachten Israel in Aufruhr. Auf die Aufforderung, Gaza nicht anzulaufen, erwiderten die Aktivisten demnach: „Haltet den Mund, geht doch zurück nach Auschwitz!“ Die Aktivisten hingegen wiederholten ihre Schilderungen, laut denen die Soldaten sofort nach ihrer Landung das Feuer eröffneten. Veröffentlichtes Bildmaterial zeigt nicht den ganzen Ablauf. Die Armee hält Teile der Dokumentation unter Verschluss.

Israel streitet jetzt über die Haltung zum Gazastreifen. Am Samstag demonstrierten rund 7000 Friedensaktivisten gegen die Blockade des Gazastreifens. Aber es gab auch Proteste gegen die Türkei, die die Hilfskonvois unterstützt. Unterdessen versucht Jerusalem, den internationalen Druck mit der Einrichtung einer Untersuchungskommission zu beruhigen. UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon schlug vor, eine internationale Kommission einzurichten, die von Neuseelands ehemaligem Premier Geoffrey Palmer und einem türkischen und einem israelischen Stellvertreter geleitet werden soll. Eine solche Kommission müsse auch Licht auf die Organisation und Teilnehmer der Hilfskonvois werfen, hieß es aus Jerusalem. Nun will Israel die Blockade Gazas lockern. Der Zement, der sich auf der Corrie befand, könne trotz Einfuhrbeschränkungen nach Gaza geliefert werden, solange sichergestellt sei, dass er nicht in die Hände der Hamas gelange. Die Hamas hat sich unterdessen geweigert, die Hilfsgüter des letzten Konvois anzunehmen. Sie lagern nun in einem israelischen Armeedepot.

Derweil eskalierten die Spannungen mit der Türkei. Der türkische Premier Recep Erdogan soll planen, persönlich mit einem Hilfskonvoi die Blockade Gazas zu durchbrechen. Er sagte, die Hamas sei keine Terrororganisation, und soll sie als „Schwesterpartei“ seiner AKP bezeichnet haben.

 
 

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