"Israel liebt den Iran"– Liebesbotschaften bei Facebook gegen Krieg

"Make Love, not War" – dieser alten Friedensbotschaft folgen die Menschen selbst im gespaltenen Nahen Osten.
"Make Love, not War" – dieser alten Friedensbotschaft folgen die Menschen selbst im gespaltenen Nahen Osten.
"Wir lieben euch" – mit dieser simplen und doch so klaren Botschaft setzen iranische und israelische Facebook-Nutzer ein Zeichen gegen die Kriegsrhetorik ihrer Regierungen. Das Netz aus Liebesbotschaften wächst täglich. Zehntausende weltweit unterstützen die Kampagne mit Fotos und dem gegenseitigen Versprechen: "Wir werden euer Land niemals bombardieren."

Essen. Mit einem Netz aus Liebeserklärungen zwischen zwei vermeintlich verfeindeten Völkern wollen israelische und iranische Internetnutzer ein Zeichen gegen die Kriegsrhetorik ihrer Regierungen setzen. "Iraner, wir lieben euch" – diese simple Botschaft, zu lesen in deutlichen Buchstaben auf einem Foto bei Facebook, war vor ein paar Wochen der Anfang einer Flut gegenseitiger öffentlicher Zuneigungsbekundungen.

Mittlerweile unterstützen Zehntausende die Facebook-Kampagne für den Frieden zwischen Israel und dem Iran. "Israelis, wir lieben euch auch", war schon bald die Antwort von iranischer Seite. Mittlerweile schicken Menschen aus der ganzen Welt Liebesbotschaften und Grüße an die Kampagne – immer in der Hoffnung, ihr Wunsch nach Frieden und Kooperation zwischen beiden Staaten möge sich erfüllen.

Die Kampagne fällt in eine Zeit, in der die massiven Spannungen zwischen beiden Regierungen von gegenseitigen Angriffsdrohungen begleitet werden. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad leugnet den Holocaust weiterhin hartnäckig, ebenso wie er sich weigert Irans Atomprogramm zu stoppen. Benjamin Netanjahu, Israels Ministerpräsident, hat dagegen einen Luftangriff gegen Iran nicht ausgeschlossen und bereitet seit Jahren einen Militärschlag gegen das Land vor.

Facebook-Botschaft richtet sich an das iranische Volk

Gegen dieses Säbelrasseln brachte der 41-jährige Israeli Ronny Edry eine weltweite Facebook-Kampagne in Gang. In einem Youtube-Clip berichtet er, wie sich die Liebeserklärung an das iranische Volk in rasender Geschwindigkeit verbreitete. Schon 24 Stunden nachdem er Bilder, die ihn und seine Familie sowie die deutlichen Liebeserklärung zeigen, ins Netz gestellt hatte, beteiligten sich bereits hunderte israelischer Bürger. Binnen zwei Tagen antwortete die iranische Seite mit gleichlautenden Liebesbotschaften, Bildern und Fotomontagen.

Die Facebook-Botschaft Edrys, die so viele zum Weiterverbreiten anregte, richtet sich "an das iranische Volk, an alle Väter, Mütter, Kinder, Brüder und Schwestern." Edry macht in einfachen Worten klar: Wer Krieg führen will, muss sich hassen und Angst voreinander haben. Sein Argument gegen Krieg berührt durch seine Naivität: "Ich hasse euch aber nicht. Ich kenne euch ja noch nicht einmal. Kein Iraner hat mir jemals Leid angetan." In seinem gesamten Leben habe er sowieso nur einen einzigen Iraner kennen gelernt. Damals, im fernen Paris. "Netter Typ", fügt er hinzu. Die Frage, die dahinter steckt, lautet: Warum also diese Drohgebärden, das Säbelrasseln, das Aufrüsten?

Iranisch-Israelisches Paar als Symbol für einen möglichen Frieden

"Ich sehe manchmal im Fernsehen einen Iraner. Er spricht über Krieg. Ich bin sicher, er repräsentiert nicht das ganze iranische Volk", so seine Hoffnung. Und gleich gibt er das Versprechen mit: "Wenn bei euch im Fernsehen ein Israeli davon spricht, euch zu bombardieren, könnt ihr sicher sein: Er steht nicht für das ganze israelische Volk."

Edry will, dass die Kampagne immer weiterwächst, ein deutliches Zeichen ist. Via Facebook gehen so Bilder um die Welt, auf denen Menschen freundlich in die Kamera lächeln und in fett-gedruckten Buchstaben dem scheinbaren Feind die Liebe erklären. "Make Love, not War" – dieser alten Friedensbotschaft folgen die Menschen selbst im gespaltenen Nahen Osten. Wörtlich nimmt das ein junges Paar, dessen Foto seit kurzem bei Facebook als Symbol weitergereicht wird: Einen iranischen und einen israelischen Pass in die Kamera haltend küssen sie sich leidenschaftlich.

Fotomontagen zeigen, wie sich Ahmadineschad und Netanjahu umarmen

Weitere Fotos der Kampagne "Israel loves Iran" zeigen fahnenschwenkende Kinder, freundlich lächelnde Jugendliche, fest entschlossen dreinblickende Israelis und Iraner. Daneben knallbunte Peace-Zeichen, Fotomontagen, auf denen sich Netanjahu und Ahmadineschad in den Armen liegen, sowie Videos mit eindringlichen Friedensappellen. Und immer wieder das gegenseitige Versprechen: "Wir werden euer Land niemals bombadieren."

Längst hat die Kampagne den Sprung aus dem Internet auf die Straße geschafft. Bei einer Demonstration hunderter Israelis in Tel Aviv am vergangenen Samstag gegen einen möglichen Angriff auf den Iran zierte der Schriftzug "Iranians, we love you" die Plakate vieler Friedensaktivisten.

Und das Netz der Liebeserklärungen wird immer dichter.

 
 

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