Islam-Experte: Deutscher Staat muss Imame mitbezahlen

In Deutschland ausgebildete, deutschsprachige Imame gibt es nach Angaben lediglich in einigen der bundesweit etwa 900 Ditib-Moscheen.
In Deutschland ausgebildete, deutschsprachige Imame gibt es nach Angaben lediglich in einigen der bundesweit etwa 900 Ditib-Moscheen.
Foto: Marijan Murat / dpa
Deutsche Moschee-Gemeinden sollen ihre Imame angemessen bezahlen. Das Geld dafür soll laut einem Islamexperten aus Deutschland kommen.

Osnabrück.  Der Islamexperte Rauf Ceylan hält es auch vor dem Hintergrund der Diskussion um den Islamverband Ditib für dringend notwendig, den Moschee-Gemeinden in Deutschland eine angemessene Bezahlung ihrer Imame zu ermöglichen.

Mit der Gründung der Zentren für Islamische Theologie vor sechs Jahren habe die Politik zwar das Fundament für die Ausbildung von Imamen in Deutschland gelegt, sagte der stellvertretende Direktor des Instituts für Islamische Theologie in Osnabrück im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Aber sie hat nicht daran gedacht, eine Einnahmequelle für Imame zu schaffen.“

Kirchenähnliche Strukturen gefordert

Ceylan sieht den Bund und die Länder in der Pflicht, dies nachzuholen und sich an der Finanzierung der Imame zu beteiligen. Er forderte aber auch die Muslime in Deutschland auf, sich in einem inner-islamischen Dialog über mögliche Finanzierungsmodelle zu verständigen und sich von den Kirchen beraten zu lassen. Ceylan hält es für möglich, dass die Muslime in Deutschland Strukturen aufbauen, die denen der evangelischen Kirche ähneln.

1000 Euro im Monat

Am Osnabrücker Institut wie auch an den Islamzentren in Münster, Tübingen, Erlangen und Frankfurt/Main würden Theologen ausgebildet, die als Imame in Gemeinden arbeiten könnten, sagte Ceylan. Sie fänden aber kaum Stellen zu einem einigermaßen angemessenen Gehalt.

Absolventen eines Master-Studienganges seien verständlicherweise nicht bereit, für maximal 1000 Euro im Monat als Imame zu arbeiten. Die Moschee-Vereine, die sich zumeist über Spenden und Beiträge ihrer Mitglieder finanzierten, könnten sich eine bessere Bezahlung jedoch nicht leisten.

Ditib wegen Erdogan in der Kritik

In Deutschland ausgebildete, deutschsprachige Imame gibt es nach Angaben des Religionssoziologen lediglich in einigen der bundesweit etwa 900 Ditib-Moscheen, weil sie von der türkischen Religionsbehörde Diyanet bezahlt würden. Diyanet finanziere auch die Arbeit der übrigen Ditib-Imame. Die weitaus meisten stammten aber nach wie vor aus der Türkei und beherrschten kaum die deutsche Sprache.

Diese bereits Jahrzehnte währende Verbindung zwischen dem größten Islam-Verband in Deutschland und der Türkei ist in den vergangenen Monaten aufgrund der zunehmend autoritären Regierungsführung von Präsident Recep Tayyip Erdogan in die Kritik geraten. Immer wieder tauchten in den vergangenen Wochen auch Hinweise auf, Ditib-Imame würden im Auftrag der türkischen Regierung Anhänger der oppositionellen Gülen-Bewegung bespitzeln.

Bezahlung der Imame aus Steuermitteln?

Ceylan betonte, die Politik dürfe jetzt nicht fordern, Ditib müsse sich von der Türkei lösen, ohne alternative Bezahlungsmodelle anzubieten. Für eine Bezahlung von Imamen unter anderem aus Steuermitteln hatten sich auch der Göttinger Kirchenrechtler Hans Michael Heinig und der CDU-Poltiker Jens Spahn ausgesprochen. (epd)