IS-Terroristen töten Franzosen - Todesdrohung gegen deutsche Geiseln

Frankreichs Präsident François Hollande bestätigte die Hinrichtung des französischen Touristen durch Dschihadisten.
Frankreichs Präsident François Hollande bestätigte die Hinrichtung des französischen Touristen durch Dschihadisten.
Foto: dpa
Der Terror der IS-Milizen und ihrer Ableger greift weit über die Konfliktländer Syrien und Irak hinaus. 3000 Kilometer weiter westlich wird ein unbeteiligter französischer Tourist verschleppt und allem Anschein nach enthauptet. Seit April sind zwei Deutsche in der Gewalt philippinischer Extremisten.

Algier/Paris/Berlin. Der von Dschihadisten in Algerien entführte französische Tourist ist von diesen hingerichtet worden. Das bestätigte Frankreichs Präsident François Hollande am Mittwoch am Rand der UN-Vollversammlung in New York.

Die Terrorgruppe Jund al-Chilafa, ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), veröffentlichte ein Video der Bluttat im Internet. Zunächst hatte die Dschihad-Beobachterplattform Site über das Video berichtet. Der verschleppte Franzose wurde allem Anschein nach wie bereits drei andere IS-Geiseln zuvor enthauptet.

Im Namen der IS-Terroristen waren zuvor zwei US-Journalisten und ein britischer Entwicklungshelfer ermordet worden. Davon stellten die Terroristen ebenfalls Videos mit Hinrichtungsszenen ins Internet. Mit der Ermordung des Franzosen erreicht der IS-Terror erstmals Regionen weitab des Irak oder Syriens. Algerien liegt 3000 Kilometer westlich von Syrien. Die drei bislang ermordeten Geiseln waren allesamt in dem Bürgerkriegsland verschleppt worden.

In dem jüngsten, knapp fünfminütigen neuen Video ist die Geisel zwischen vier vermummten und bewaffneten Männer zu sehen. Anschließend wird auch die Enthauptung selbst gezeigt.

Algerische Einheiten suchten den Franzosen mit 1500 Soldaten

Der 55-jährige Franzose war am Sonntag in einer bergigen Region bei Tizi Ouzou etwa 110 Kilometer östlich der Hauptstadt Algier gekidnappt worden. Frankreichs Präsident hatte dem algerischen Premierminister Abdelmalek Sellal volle Unterstützung zugesagt. Algerische Einheiten suchten den Franzosen am Mittwoch mit 1500 Soldaten.

Die mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verknüpfte algerische Gruppe hatte in einem am Montag veröffentlichten Video mit der Ermordung der Geisel gedroht, wenn Frankreich seine Angriffe gegen die IS-Miliz im Irak nicht einstelle. Als Frist gab sie der französischen Regierung 24 Stunden Zeit.

Frankreich wollte nicht Entführern verhandeln

Paris lehnte Verhandlungen mit den Entführern mehrfach ab. "Frankreich lässt sich nicht erpressen", hatte Regierungschef Valls gesagt. Hollande betonte in New York, sein Land werde den Kampf gegen den Terrorismus fortsetzen. "Frankreich wird niemals vor dem Terrorismus einknicken", sagte der Staatschef. Die abscheuliche Tat der Terroristen würden seine Entschlossenheit noch verstärken, betonte Hollande. Die französischen Luftschläge im Irak würden fortgesetzt.

Auch US-Präsident Barak Obama zeigt sich am Mittwoch entschlossen. 40 Länder hätten bereits ihre Unterstützung im Kampf gegen den IS angeboten, sagte Obama vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York. "Wir handeln nicht allein." Die USA würden sich keiner Bedrohung beugen. "Wir werden unser militärisches Können in einer Kampagne von Luftschlägen nutzen, um IS zurückzudrängen." Die Geldquellen von IS würden trockengelegt und der Fluss ausländischer Kämpfer in die Region gestoppt.

Todesdrohung gegen deutsche Geiseln 

Auf den Philippinen wächst die Sorge um zwei deutsche Geiseln in den Händen muslimischer Extremisten. Im Internet kursierten am Mittwoch Botschaften, wonach die Terrorgruppe Abu Sayyaf damit droht, einen der beiden Segler zu töten, falls kein Lösegeld gezahlt wird. Zudem wird Deutschland aufgefordert, seine Unterstützung für die USA im Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) im Irak und in Syrien zu stoppen. In der Botschaft werden die IS-Terroristen als "muslimische Brüder" bezeichnet. Ob sie direkt von Abu Sayyaf stammt, konnte zunächst nicht verifiziert werden.

Derzeit würden die Forderungen auf ihre Authentizität geprüft, sagte der Polizeichef der südphilippinischen Provinz Sulu, Abraham Orbita. In Sulu vermuten die Behörden das Versteck der Terrorgruppe.

Bundesregierung wird Strategie nicht ändern

Die Bundesregierung sieht keine Veranlassung, ihre Strategie im Kampf gegen den IS zu ändern. Drohungen seien nicht das geeignete Mittel, um Einfluss auf die deutsche Außenpolitik zu nehmen, betonte das Außenministerium in Berlin. "An unserer Politik in Syrien und Irak wird sich deshalb auch nichts ändern", sagte eine Sprecherin. Es werde daran gearbeitet, wie man zu einer Freilassung der Geiseln kommen könne. "Wir haben einen Krisenstab, der sich mit dem Fall befasst." Zu Details wollte sich das Außenamt nicht äußern.

Die beiden Segler waren im April von ihrer Jacht in Palawan im Westen der Philippinen verschleppt worden. Abu Sayyaf veröffentlichte im August ein Foto, auf dem sie umringt von vermummten Kämpfern zu sehen waren - einer der Krieger deutet darauf mit einer Machete auf die Geiseln. Nun verlangen die Extremisten angeblich 250 Millionen Pesos (rund 4,3 Millionen Euro) und haben eine Frist zur Erfüllung ihrer Forderungen bis zum 10. Oktober gesetzt. Über die neue Drohung hatte zunächst die US-Firma Site berichtet, die Webseiten von Extremisten beobachtet.

Die Gruppe Abu Sayyaf, deren Anführer der IS-Miliz ihre Loyalität zugesichert haben, sind für einige der schlimmsten Terroranschläge im Land verantwortlich. Sie kämpft für eine Abspaltung eines muslimischen Staates von den überwiegend katholischen Philippinen. In ihren Händen werden mehrere ausländische Geiseln vermutet.

Die Extremisten erpressten in der Vergangenheit mehrfach Geld, um ihren bewaffneten Kampf zu finanzieren. Im Jahr 2000 verschleppten Abu-Sayyaf-Terroristen die deutsche Familie Wallert und andere Touristen von einer Taucherinsel in Malaysia nach Jolo (Philippinen). Die Wallerts kamen erst nach mehr als drei Monaten frei. Zuvor hatte Libyen den Separatisten pro Kopf eine Million Dollar als "Entwicklungshilfe" gezahlt. Die Bundesregierung kommentierte das seinerzeit nicht. (dpa)