IS ruft in Video zu Mord an Salafist Pierre Vogel auf

Der salafistische Prediger Pierre Vogel – jetzt wird er selbst Ziel von Radikalen.
Der salafistische Prediger Pierre Vogel – jetzt wird er selbst Ziel von Radikalen.
Foto: dpa
  • Der IS ruft in einem Video zur Ermordung von Pierre Vogel auf.
  • Der Salafist sei nicht radikal genug, heißt es.
  • Vogel gilt neben Sven Lau als einer der bekanntesten deutschen Hassprediger.

Berlin.. Was Pierre Vogel droht, zeigt der „Islamische Staat“ auf Seite 9 seiner neuen Ausgabe des Propagandamagazins „Dabiq“. Ein wuchtiger Krummsäbel berührt den Nacken eines Mannes, seine Augen sind mit einem schwarzen Schal verbunden, mit dem Kinn stützt er seinen Kopf auf einen Pfahl. Das Bild zeigt mutmaßlich den Moment vor der Exekution des Mannes. Darunter steht: „Die Strafe für Abtrünnige“. Ein paar Seiten weiter ist ein Foto von Vogel abgebildet, markanter roter Bart. Er gilt bei den deutschen Sicherheitsbehörden als ein radikaler Prediger und einer der führenden Figuren der Islamistenszene.

Vogel veröffentlichte zahlreiche Interviews über die radikale Auslegung des Islams durch die sogenannten Salafisten. Vor allem bei Jugendlichen gilt Vogel als Idol, über das viele einen Einstieg in die Szene finden. Vogel arbeitete eng zusammen mit Sven Lau, der in Untersuchungshaft sitzt, weil er Terroristen in Syrien geholfen haben soll. Jetzt wird Vogel zum Gejagten von Islamisten. Er ist Zielscheibe des IS.

Dem IS – aber auch den extremen Anhängern der Islamisten-Szene – gilt Vogel als zu wenig radikal. Mehrfach distanzierte sich Vogel von Terroranschlägen. Das kommt bei Dschihadisten nicht gut an. Zudem wird er von einigen salafistischen Gruppen für seine inszenierten Auftritte auf Videos oder Demonstrationen kritisiert. Für manche ist er Ikone – viele sehen genau diese Stilisierung kritisch.

Ein Video taucht auf – die Verfasser rufen zum Mord an Vogel auf

Einen „Abtrünnigen“ nennt der IS Pierre Vogel unter dem Foto in der Zeitschrift „Dabiq“. Neben ihm auf dem Foto posiert Bilal Philips, ebenfalls ein islamistischer Prediger. Der IS listet in der Ausgabe des Magazins weitere Menschen auf, die als Verräter gelten – als „Kufar“, als Ungläubiger. Und die es zu töten gilt. Unter den gelisteten Muslimen sind auch bekannte westliche islamische Geistliche, die an Universitäten lehren.

Zwei Tage nach dem Erscheinen des Hetz-Artikels gegen Vogel taucht im Internet ein Video der Medienagentur des IS „Furat“ auf. Der Titel – diesmal auf Deutsch: „Die Wahrheit über Pierre Vogel“. Darin rufen die IS-Anhänger dazu auf, Vogel zu töten. Die Islamisten bezeichnen den Salafisten als „Mushrik“, einen Götzendiener, und damit einen „Ungläubigen“. Untermalt ist das Video mit Auszügen aus Vogels Reden, in denen er sich von terroristischen Attentaten distanziert und diese „unislamisch“ nennt. Um diese Auszüge herum zeigt das Video teilweise martialische Aufnahmen von IS-Kämpfern, im Hintergrund sind „Naschids“ der Islamisten zu hören, Lieder, die zum Kampf aufrufen.

Professionell gestaltete Videobotschaften wie diese gegen Vogel sind ein wichtiges Propaganda-Instrument des selbst ernannten „Islamischen Staates“. Die Zeitschrift „Dabiq“ ist ein weiteres Medium des IS, es erscheint nur im Internet. Über Foren, private Chats und soziale Netzwerke verbreiten Islamisten im Netz ihre Hetze. Am Ende des Artikels über die „Abtrünnigen“ heißt es: Jeder müsse sich entscheiden – entweder „in die Reihen der Mudschaheddin einzutreten“ oder selbst in den „Dschihad“ zu gehen, „mit Ressourcen, die einem zur Verfügung stehen“: Messer, Pistolen, Sprengstoff. Und so sind für die Sicherheitsbehörden nicht so sehr Macher des Hetz-Videos gegen Vogel die Gefahr – die eigentliche Bedrohnung sind einzelne radikalisierte Anhänger, die sich durch das Video angestachelt fühlen und losschlagen könnten.

Die allermeisten Opfer von Terroristen sind Muslime

Das Video, in dem zum Mord an Pierre Vogel aufgerufen wird, ist zudem ein Hinweis darauf, dass IS-Anhänger auch in Deutschland zu Terrorakten aufrufen. Lange Zeit galten vor allem die zahlreichen Ausreisen von mutmaßlichen Dschihadisten als Sicherheitsrisiko, das Polizei und Staatsschutz nur schwer bekämpfen konnten. Mittlerweile wächst die Sorge der Behörden vor radikalisierten Rückkehrern aus dem Kriegsgebiet in Syrien und Irak und vor einem „Inlands-Terrorismus“ deutscher Salafisten. Bisher allerdings gelang den Extremisten kein Attentat in Deutschland, das vergleichbar ist mit den Anschlägen von Paris oder Brüssel. Oftmals hatten die Sicherheitsdienste rechtzeitig Hinweise bekommen. Manchmal gehörte einfach nur Glück dazu.

Der Kampf von Islamisten gegen Islamisten wie nun im Fall Vogel ist nicht neu. Abseits des ideologischen Streits der großen islamischen Glaubensrichtungen, zwischen Sunniten und Schiiten, sind auch einzelne sunnitische oder schiitische Islamistengruppen untereinander verfeindet. Und: Die allermeisten Opfer von Terrorangriffen durch Islamisten sind Muslime selbst – in den Kriegsgebieten des Nahen Ostens. Al-Qaida und der IS gelten als Konkurrenten. Und auch in Deutschland ist die Szene der Islamisten nicht geschlossen. Auch hier konkurrieren einzelne Bewegungen. Manche hängen Pierre Vogel an. Andere verspotten ihn als „Abtrünnigen“. Genau wie der IS.

 
 

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