Iran beruft erstmals eine Frau auf Botschafterposten

Marzieh Afkham ist seit September 2013 Sprecherin des Außenministeriums. Dies erledigte sie so kompetent, dass sie nun befördert wurde.
Marzieh Afkham ist seit September 2013 Sprecherin des Außenministeriums. Dies erledigte sie so kompetent, dass sie nun befördert wurde.
Foto: dpa
Marzieh Afkham ist die erste Spitzen-Diplomatin des Iran. Wo sie den Gottestaat vertreten wird, ist noch unklar. Ihr Stil - islamisch hyperkorrekt.

Kairo.. Rein äußerlich könnte man Marzieh Afkham leicht unterschätzen, zumal sie stets in schwarzem Schador auftritt, islamisch hyperkorrekt, der nur ihr Gesicht freilässt. Doch sie beherrscht mehrere Sprachen, ihr Englisch ist perfekt, das Auftreten souverän und kompetent. Im September 2013 machte Irans Außenminister Mohammad Javad Zarif die begabte Diplomatin zu seiner Sprecherin.

„Wir müssen unsere Augen waschen und neu hinschauen“, zitierte der Amtschef damals den iranischen Dichter Sohrab Sepehri, als er der heute 52-Jährigen ihre Ernennungsurkunde aushändigte. Diese bestach rasch durch ihre Eloquenz und Schlagfertigkeit – auch auf internationalem Parkett.

Ein Novum in der Geschichte des Landes

Bei den Atomverhandlungen in Lausanne erläuterte sie geduldig die iranische Position sowie den Gang der Gespräche aus der Sicht Teherans. Anfang der Woche nun wurde Marzieh Afkham zur Botschafterin befördert, der ersten Frau auf einem solchen ausländischen Spitzenposten in der Geschichte der Islamischen Republik.

Noch ist nicht bekannt, in welcher Hauptstadt die Karrierediplomatin künftig den Iran vertreten soll, einheimische Medien spekulieren über ein Land in Ostasien.

Politisch nicht einzuordnen

Marzieh Afkham wurde 1962 in Teheran geboren. Nach dem Abitur begann sie 1982 ihre Laufbahn im Außenministerium, besuchte die Diplomatenakademie und wurde unter dem Reformpräsidenten Mohammed Khatami Leiterin der Presseabteilung. „Sie war stets sehr höflich und kooperativ, doch konnte man nie sagen, welchem politischen Lager sie nahestand“, urteilte eine iranische Journalistin rückblickend. An ihrer Loyalität zur Islamischen Republik ließ Marzieh Afkham nie einen Zweifel, die aus ihrem Privatleben bisher nur preisgab, dass sie verheiratet ist.

Anders als in Saudi-Arabien, dem anderen Gottesstaat der Region, dürfen iranische Frauen zwar Auto fahren. Aber sie müssen Kopftuch tragen und ihre Männer für einen Reisepass um Erlaubnis fragen. Ihre Aussagen vor Gericht wiegen gering und im Erbrecht sie sind systematisch benachteiligt. Bei der Frauenbildung dagegen hat sich in den 36 Jahren Islamische Republik viel getan. 60 Prozent aller Studenten sind weiblich. Ein Drittel aller Ärzte sind Frauen, unter den Lehrern stellen sie sogar 80 Prozent.

Politik ist bislang Männerdomäne

Dagegen sind Spitzenjobs in Regierung, Politik und Wirtschaft nach wie vor reine Männerdomäne. Und so versprach Präsident Hassan Rowhani bei seinem Amtsantritt 2013, Frauen bessere Aufstiegschancen zu verschaffen. Doch geschehen ist bisher wenig.

„Rowhani redet zwar mehr von Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern, was positiv ist“, urteilt Mohammadreza Jalaeipour, der nach der grünen Revolution 2009 als politischer Häftling im Gefängnis saß und heute in den USA lebt. „Aber wir brauchen mehr Frauen in Ministerien und auf der mittleren politischen Ebene. Wir brauchen mehr Frauen als Gouverneure oder als politische Spitzenbeamte.“

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