Institution des Bundespräsidenten droht Schaden zu nehmen

Walter Bau
Der wegen eines Privatdarlehens in die Kritik geratene Bundespräsident Christian Wulff. Foto: dapd
Der wegen eines Privatdarlehens in die Kritik geratene Bundespräsident Christian Wulff. Foto: dapd
Bundespräsident Christian Wulff nimmt mit seinem Verhalten in der Affäre um einen umstrittenen Privatkredit in Kauf, dass die Institution des Bundespräsidenten beschädigt wird. Ein Kommentar.

Essen. In der Affäre um Christian Wulff geht es nicht mehr nur um einen fragwürdigen Kredit, gesponserte Urlaubsreisen oder haarspalterische Einlassungen Wulffs. Inzwischen droht die Institution des Bundespräsidenten insgesamt Schaden zu nehmen.

Horst Köhler, Wulffs Vorgänger, warf bei der ersten scharfen Kritik an seiner Person hin. Statt um seine Reputation und damit auch um das Amt zu kämpfen, zog er sich schmollend ins Private zurück. Damit entwertete Köhler das Amt.

Auch Wulff, der nur scheibchenweise mit Einzelheiten in der Affäre herausrückt, nimmt mit seinem taktierenden Verhalten in Kauf, dass die Institution des Bundespräsidenten beschädigt wird. Träte nach dem neunten auch der zehnte Bundespräsident zurück, ein Eckpfeiler unserer Demokratie wäre nachhaltig geschwächt.

Macht des Bundespräsidenten besteht in seiner Person

Der Bundespräsident macht keine Gesetze, gibt nicht bei Gipfeltreffen die Linie vor. Seine Macht besteht in seiner Person, seiner Reputation. Gleichwohl besitzt er Einfluss. Sein Wort hat Gewicht. Das haben Präsidenten wie Richard von Weizsäcker und Johannes Rau eindrucksvoll bewiesen.

Der Bundespräsident Wulff wird sich zu Weihnachten mit einer Ansprache an die Bürger wenden. Hat er ihnen noch etwas zu sagen? Und hören sie ihm noch zu?