Indiens Regierung will Strafgesetz gegen Homosexualität kippen

Nach dem Gesetzerlass in der vergangenen Woche organisierten Homosexuelle Umzüge in Mumbai und Neu Delhi.
Nach dem Gesetzerlass in der vergangenen Woche organisierten Homosexuelle Umzüge in Mumbai und Neu Delhi.
Foto: dpa
Ein Gesetz, das noch aus der Zeit der britischen Kolonialherrschaft stammt, sorgt derzeit für Aufregung in Indien. Seit der vergangenen Woche steht gleichgeschlechtlicher Sex dort wieder unter Strafe. Die Regierung hat nun beim Obersten Gerichtshof Einspruch gegen das Strafgesetz eingelegt.

Neu Delhi. Indiens Regierung kämpft mit juristischen Mitteln gegen ein Gesetz aus der Kolonialzeit, das gleichgeschlechtlichen Sex kriminalisiert. Sie bat den Obersten Gerichtshof des Landes am Freitag, dessen Entscheidung von vergangener Woche neu zu prüfen, mit der das Gesetz wieder in Kraft gesetzt worden war.

Die Regelung verstoße "gegen das Gleichheitsprinzip", hieß es zur Begründung des Einspruchs. Die Regierung verlangte eine "offene Anhörung" zu dem Thema.


Das von den britischen Kolonialherren im Jahr 1860 erlassene Gesetz zur Strafbarkeit "widernatürlichen Geschlechtsverkehr" war im Juli 2009 von einem Gericht in Neu Delhi als Verstoß gegen die Grundrechte gewertet worden. Vor der damaligen Entscheidung konnten homosexuelle Handlungen mit einer Geldstrafe und bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft werden. Das Gesetz wurde selten angewandt, Schwule und Lesben warfen der Polizei jedoch vor, es für Schikanen zu nutzen.

Viele Inder betrachten Homosexualität als Krankheit

Der Oberste Gerichtshof urteilte am 11. Dezember, das Gericht in Neu Delhi habe seine Kompetenzen überschritten, als es gleichgeschlechtlichen Sex zwischen Erwachsenen straffrei stellte.

Eine mögliche Änderung sei allein Aufgabe der Politik, zumal die Regelung auch Verfassungsfragen betreffe. Menschenrechtsaktivisten übten daraufhin scharfe Kritik, religiöse Gruppen zeigten sich dagegen erfreut. Die Regierung versprach ihrerseits eine "rasche und entschlossene" Reaktion, um das "unzeitgemäße Gesetz" abzuschaffen.


Gleichgeschlechtliche Liebe war im traditionell konservativen Indien lange tabu, viele Inder betrachten Homosexualität als Krankheit. In den vergangenen Jahren drängten Schwule und Lesben jedoch zunehmend in die Öffentlichkeit und organisierten Umzüge in Metropolen wie Mumbai und Neu Delhi. In der Politik und im öffentlichen Leben Indiens gibt es jedoch bislang keine ranghohen Repräsentanten, die offen homosexuell leben. (afp)