In NRW fehlen bundesweit die meisten Ausbildungsstellen

Ausbildung sichert den Fachkräftebedarf von morgen.
Ausbildung sichert den Fachkräftebedarf von morgen.
Foto: dpa
116 Bewerber auf 100 Lehrstellen gibt es in NRW, am Niederrhein ist die Lage noch schlechter. Aktionen wie ein "Bewerber-Speeddating" sollen helfen.

An Rhein und Ruhr. Nirgendwo in Deutschland ist die Lage auf dem Ausbildungsmarkt aktuell so schlecht wie in Nordrhein-Westfalen. Laut den neuen Zahlen kommen auf 100 gemeldete Lehrstellen 116 Bewerber, der Bundesschnitt liegt bei 90 Bewerbern (Stand: Februar). Christiane Schönefeld, die Chefin der Regionalagentur, zeigt sich besorgt: „Die ersten Ergebnisse vom Ausbildungsmarkt stimmen nicht zuversichtlich.“ In einzelnen Regionen wie dem Niederrhein oder dem nördlichen Rand des Ruhrgebiets ist die Lage sogar noch deutlich schlechter.

81.612 Ausbildungsplätze haben Betriebe und Verwaltungen bisher insgesamt angeboten; zugleich haben sich aber 94 736 junge Leute bei den Arbeitsagenturen gemeldet, die eine Lehre beginnen wollen. Naturgemäß wird sich auf dem Ausbildungsmarkt noch einiges tun. Stand jetzt allerdings, hat NRW damit die Rote Laterne. Auf dem vorletzten Platz liegt Berlin mit 114 Bewerbern je 100 Plätze. Alle anderen Bundesländer haben mehr freie Lehrstellen als Bewerber. Gute Konjunktur und demographischer Wandel lassen grüßen.

Speed-Dating für Bewerber

Für Freitag hat die Landesregierung dem Vernehmen nach Arbeitgeber und Gewerkschaften im Zuge des „Ausbildungskonsenses“ eingeladen, die neuen Zahlen dürften da im Blickpunkt stehen. Im vergangenen Jahr war das Ziel, 3000 zusätzliche Lehrverträge abzuschließen nicht erreicht worden, am Ende waren es 624 weniger geworden. 3200 zusätzliche Lehrstellen hatte die Wirtschaft versprochen, tatsächlich waren es etwa 2200 geworden.

„Die Sicherung des Fachkräftebedarfes ist eine wesentliche Herausforderung für den Wirtschaftsstandort“, mahnt Christiane Schönefeld. Die Agentur hat für die Zeit vom 7. bis zum 11. März eine „Woche der Ausbildung ausgerufen. NRW-weit soll es Aktionen in Betrieben und Schulen geben; u. a. per Speed-Dating sollen Bewerber und Lehrstellen zueinanderfinden.

Flexibilität heißt das Gebot der Stunde, Bewerber sind gefordert, sich auch abseits ihres Wohnortes umzuschauen, Betriebe sollten Bewerber von außerhalb in den Blick nehmen. Vor Ort sieht die Lage auf dem Ausbildungsmarkt sehr unterschiedlich aus, das zeigt der Blick in einzelne Arbeitsamtsbezirke. In Wesel (mit Kleve) kommen 160 Bewerber auf 100 Stellen. Schlechter ist die Lage nur in Recklinghausen (222 Bewerber). In Düsseldorf hingegen wurden 78 Bewerber gezählt, in Duisburg 115 und in Oberhausen (mit Mülheim) 136. In Essen ist das Verhältnis praktisch ausgeglichen (99 Bewerber).

 
 

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