In manche Viertel

In Deutschland gibt es Stadtteile und Straßenzüge, in denen sich Polizisten auch zu zweit nicht mehr sicher fühlten. Das erklärte Bernhard Witthaut, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, in einem Interview mit dieser Zeitung. „Sie müssen fürchten, dort selbst Opfer einer Straftat zu werden“, sagt er.

Essen.. In Deutschland gibt es Stadtteile und Straßenzüge, in denen sich Polizisten auch zu zweit nicht mehr sicher fühlten. Das erklärte Bernhard Witthaut, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, in einem Interview mit dieser Zeitung. „Sie müssen fürchten, dort selbst Opfer einer Straftat zu werden“, sagt er.

In solche Gegenden würden die Beamten nicht mit dem Streifenwagen, sondern nur noch im Mannschaftswagen fahren. Die Staatsgewalt sei völlig außen vor. Hier würden Straftaten gar nicht mehr angezeigt, sondern „man erledige alles unter sich“. Betroffen seien hauptsächlich Milieus, in denen viele Migranten lebten. Weibliche Polizisten würden dort als Autorität nicht ernst genommen.

Auch der nordrhein-westfälische GdP-Chef Frank Richter bestätigte, dass es in den Ballungsräumen aller deutschen Großstädte soziale Brennpunkte gebe, „die der besonderen polizeilichen Sicherheit bedürfen“. Der oft verwendete Begriff „No Go Area“ sei nicht zutreffend, da es keine rechtsfreien Räume gebe. Er sei aber notwendig, um deutlich zu machen, „dass es schwierige Gegenden gebe“. In solchen Vierteln gebe es dann Einsätze, „bei denen man nicht nur mit einem Streifenwagen rausfährt, sondern gleich mit dreien“, so Richter.

Hintergrund seien immer soziale Probleme. Jedes Jugendheim, das dicht gemacht werde, sei irgendwann ein polizeiliches Problem. „Kollegen, die in Altenessen oder in Duisburg-Marxloh Streife gehen, müssen etwas robuster sein, machen auch häufig Sozialarbeit“, sagt Richter.

Dabei wird die Diskussion um schwierige Stadtteile an der Basis manchmal anders gesehen. Die Streifenbeamten der Polizeiinspektion Essen-Mitte etwa „nervt die Debatte um No Go Areas“. „Es gibt keinen Einsatz, bei dem wir sagen: Da fahren wir nicht hin“, sagt ein Essener Polizist und ein Kollege ergänzt: „Es gibt allerdings Einsätze, bei denen die Leitstelle gleich zwei oder drei Streifenwagen schickt.“ „Und das war auch vor 30 Jahren schon so“, erklärt der Essener Polizeisprecher Ulrich Faßbender. „Zu bestimmten Familien oder Kneipen sind wir nie alleine hingefahren, weil klar war, dass es da Randale geben würde. Heute wie damals gibt es schwierige Gegenden, zu denen wir gleich mit großem Gerät ausrücken.“

 
 

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