Immer mehr Menschen wegen Fettleibigkeit im Krankenhaus

Holger Dumke
Die Waage zeigt mehr als 100 Kilo an.
Die Waage zeigt mehr als 100 Kilo an.
Foto: WAZ
2639 Patienten waren im Jahr 2011 mit einer so genannten Adipositas-Diagnose in stationärer Behandlung – ein Anstieg von 76 Prozent gegenüber dem Jahr 2006. Das berichtete das Statistische Landesamt. Der Europäische Adipositastag am Samstag soll die gesellschaftliche Relevanz der Fettsucht stärker in den Blick rücken

An Rhein und Ruhr. Die Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen behandeln immer mehr Menschen wegen krankhafter Fettleibigkeit. 2639 Patienten waren jüngsten Zahlen zufolge im Jahr 2011 mit einer so genannten Adipositas-Diagnose in stationärer Behandlung – ein Anstieg von 76 Prozent gegenüber dem Jahr 2006, berichtete das Statistische Landesamt am Freiag. 3545 Patienten waren mit einer solchen Diagnose in einer Reha- oder Vorsorgeeinrichtung.

Der Europäische Adipositastag am Samstag soll die Sorgen und Nöte der Erkrankten, Therapieformen, aber auch die gesellschaftliche Relevanz der Fettsucht stärker in den Blick rücken. Nach Angaben der NRW-Statistiker sind vor allem Menschen zwischen 40 und 59 Jahren betroffen; sie stellen mehr als die Hälfte der Erkrankten (51 %). Zwei Drittel der zuletzt behandelten Personen waren Frauen.

Nicht nur die Zahl der im Krankenhaus behandelten Personen, auch die der insgesamt an Adipositas erkrankten Personen wächst. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung stieg den Angaben zufolge von 13,2 auf 14,9 %. Menschen gelten als adipös, wenn der Wert ihres Body-Mass-Indexes (BMI) über 30 liegt. Der Index setzt Körpergewicht und Größe in ein Verhältnis. Zur Berechnung wird das Gewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Größe in Metern.

Ministerin: „Besorgniserregend“

Eine Sprecherin von NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) nannte die Entwicklung besorgniserregend: „Adipositas ist ein Problem, gerade in der digitalen und zunehmend mobilitätsarmen Gesellschaft.“ Deutlich sei, dass an vielen Stellen das Bewusstsein dafür fehle. Die Landesregierung setze auf Prävention, so die Sprecherin – Prävention, vor allem auch bei jungen Menschen. Bereits 15 % der Kindergartenkinder sind übergewichtig.

Ein bewährtes Präventionsprojekt, so die Sprecherin, sei der bereits im Jahr 2007 gestartete „Anerkannte Bewegungskindergarten mit dem Pluspunkt Ernährung“. Dabei wird das Personal von Kindergärten und -Tagesstätten besonders qualifiziert. Geeignete Räume, Info-Termine für die Eltern und die Kooperation sind den Angaben zufolge weitere Voraussetzungen, damit eine Einrichtung zertifiziert wird. Seit Kurzem gibt es einen neuen Internet-Auftritt (www.bewegung-plus-ernaehrung.de).