Immer mehr Menschen leben als Single

Immer mehr Menschen in Deutschland leben allein. Etwa 13,4 Millionen Menschen wohnen in einem Einpersonenhaushalt. Damit ist die Singlewohnung inzwischen der häufigste Haushaltstyp, teilt das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Vor allem ältere Menschen wohnen ohne einen Partner. Mehr als jeder dritte Alleinlebende ist demnach älter als 64 Jahre, hingegen ist nur ungefähr jeder sechste (17,6 Prozent) jünger als 30.

Damit setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort. Während die Zahl der Ehepaare mit Kindern kontinuierlich sinkt, steigt die der Lebensgemeinschaften ohne Kinder, der Alleinerziehenden und Singles immer weiter an. Die klassische Großfamilie gehört der Vergangenheit an. In über der Hälfte aller Familien lebt nur ein Kind, gut jede dritte Familie hat zwei Kinder. Nicht einmal in jedem 20. Haushalt sind mehr als vier Personen zu Hause, egal ob es sich um Familien oder Studenten-Wohngemeinschaften handelt, fanden die Statistiker heraus.

Soziologen sehen für den Trend mehrere Ursachen. Die Anforderungen der Berufswelt machen Mobilität und Flexibilität erforderlich, eine Familiengründung wird auch wegen langer Ausbildungszeiten häufig verschoben. Auch das Ideal des Zusammenlebens habe sich gewandelt. So gebe es immer mehr Paare, die zwar in einer Beziehung lebten, aber getrennte Wohnungen bevorzugen, sagt Christin Olschewsky vom Institut für Soziologie der TU Dortmund.

Vor allem Ballungsräume wie das Ruhrgebiet stellt diese Entwicklung vor große Herausforderungen. In Großstädten wie Essen stieg die Zahl der Singlehaushalte bereits auf 42 Prozent. Wohnungsbaugesellschaften müssten vermehrt preiswerte Wohnungen anbieten, die zudem altengerecht ausgestattet werden müssten. Um den Trend zur Vereinzelung einzudämmen, fordern Experten mehr Fantasie von Stadtplanern und Vermietern: „Wir brauchen völlig neue Lebens- und Wohnformen, in denen verschiedene Generationen miteinander leben können“, sagte der Soziologe Stephan Baas. Denn vor allem die Gruppe der älteren Singles werde wegen der steigenden Lebenserwartung wachsen. Unter der Bevölkerungsentwicklung leiden vor allem ländliche Gebiete, weil es die wenigen jungen Menschen in die Städte zieht.

Andrea Dittrich-Wesbuer vom Dortmunder Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) empfiehlt eine stärkere Arbeitsteilung und mehr Zusammenarbeit über die Städtegrenzen hinweg. Nicht jede Kommune müsse alles anbieten, was es auch in der Nachbarschaft schon gibt. „Wenn das Freizeitbad in einer Gemeinde erhalten wird, sind es vielleicht spezielle Bildungseinrichtungen in einer anderen Kommune.“

Die Wohnungswirtschaft reagiert auf die neuen Anforderungen. Die Deutsche Annington, nach eigenen Angaben das größte Wohnungsunternehmen Deutschlands, erwartet ein Wachstum bei Wohnraum für eine bis zwei Personen um neun Prozent bis 2025. Noch in diesem Jahr sollen 2600 Wohnungen seniorenfreundlich umgebaut werden. 300 Millionen Euro will der Konzern mittelfristig investieren, um zehn Prozent seines kompletten Wohnungsbestands barrierefrei umzurüsten.

 
 

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