Immer mehr chinesische Firmen in NRW

Tobias Blasius

An Rhein und Ruhr.  Investoren aus China haben es immer häufiger auf den Mittelstand in Nordrhein-Westfalen abgesehen. Seit 2003 hat sich die Zahl der chinesischen Unternehmensübernahmen und -niederlassungen an Rhein und Ruhr verneunfacht. Allein 2015 wuchs die Zahl der Firmen aus dem Reich der Mitte um 80 auf inzwischen 900 mit rund 10 000 Beschäftigten.

Lange wurde die beständige Suche der reichen Chinesen nach Fachwissen, Führungskräften und neuen Märkten in NRW eher reserviert zur Kenntnis genommen. Zu groß war allenthalben die Sorge vor Entlassungen oder dem Abfluss von Know-how.

Quasi die neuen Japaner

Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) hat sich nun zu einer „Willkommenskultur für chinesische Unternehmen in NRW“ entschieden. Bei einer Rundreise durch verschiedene Firmen, deren Chefs im Reich der Mitte sitzen, versuchte Duin deutlich zu machen, dass die Chinesen gewissermaßen die neuen Japaner in NRW sind: fortschrittlich, forschungsintensiv, hochtechnisiert, attraktive Arbeitgeber.

„Die Unternehmen sind gelungene Beispiele für ein Engagement zu beiderseitigem Vorteil“, betonte Duin. Vornehmlich auf zwei Wegen finden die Chinesen bislang nach NRW. Sie kaufen sich bei Mittelständlern ein wie der Baumaschinen-Riese XCMG (12,5 Milliarden Euro Jahresumsatz), der den Herner Betonpumpen-Hersteller Schwing und den Krefelder Hydraulik-Spezialisten Fluitronics schluckte. In Krefeld arbeiten nun 45 Mitarbeiter in dem 2013 gegründeten europäischen Entwicklungszentrum der XCMG an Baggern und Kränen der Zukunft.

Den anderen Weg geht der chinesische Weltmarkt-Führer für Windmaschinen-Antriebe NGC. Seit Oktober 2014 sitzt die Europa-Zentrale im Duisburger Hafen und organisiert hier zunächst den Vertrieb. Demnächst sollen die rund 30 Mitarbeiter, darunter viele Ingenieure, in Duisburg auch die tonnenschweren Antriebe warten und reparieren. Komponenten sollen direkt aus China mit der täglichen Güterzug-Verbindung des Logports ins Ruhrgebiet gelangen.

27 000 Chinesen an Rhein und Ruhr

Für Wirtschaftsminister Duin sind diese Beispiele Grund genug, offensiver um finanzstarke Chinesen zu werben. „In kein anderes Bundesland gehen so viele chinesische Direktinvestitionen wie nach Nordrhein-Westfalen“, sagt Generalkonsul Haiyang Feng. Die Volksrepublik hat Ende 2014 eigens ein weiteres Konsulat in Düsseldorf eröffnet. Etwa 27 000 Chinesen leben bereits an Rhein und Ruhr. Diese wachsende Gemeinschaft ist neben Hochschuldichte, Flughafen Düsseldorf und zentraler EU-Lage zum wichtigsten Argument für Investoren geworden.

NGC-Europachef Heinz-Peter Ehren, ein früherer Siemens-Mann, berichtet von anfänglichen Vorbehalten seiner Mitarbeiter, die sich rasch gewandelt hätten: „Wer einmal in Duisburg lebt, sagt: super.“