Ibuprofen und andere Medikamente: Immer öfter Lieferengpässe bei Arzneien

In den Apotheken sind manche Medikamente immer öfter Mangelware.
In den Apotheken sind manche Medikamente immer öfter Mangelware.
Foto: dpa

Immer öfter kommt es in Deutschland zu Lieferengpässen bei wichtigen Medikamenten.

Betroffen sind verschiedene Blutdrucksenker, Schilddrüsenmittel und das Schmerzmittel Ibuprofen.

„Die Lieferengpässe haben in den vergangenen Jahren zugenommen“, warnte jetzt Mathias Arnold vom Apothekerverband ABDA. Die Zahl nicht verfügbarer verschreibungspflichtiger Arzneien habe sich fast verdoppelt: Von 4,7 Millionen Packungen 2017 auf 9,3 Millionen im vergangenen Jahr.

Zahl der Medikamenten-Engpässe verdoppelt

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat fast 290 Meldungen über Lieferengpässe bei Medikamenten erfasst – bei rund 103.000 zugelassenen Arzneimitteln in Deutschland.

Einer der Hauptgründe für die Lieferengpässe von Medikamenten: Viele Pharmaunternehmen lassen aus Kostengründen Wirkstoffe im Ausland produzieren.

+++ Die AfD hat ihr Ziel erreicht – weil die CDU DIESE fatalen Fehler macht +++

Rabatt-Verträge der Krankenkassen in der Kritik

Nicht zuletzt die Rabatt-Verträge der Krankenkassen geraten deshalb in die Kritik: Die Kassen sind angehalten, exklusive Verträge mit Pharmaherstellern auszuhandeln, die besonders günstige Medikamente anbieten. Das wiederum erhöht den Kostendruck auf die Hersteller, die dann ins Ausland abwandern.

Vor allem in Asien lassen die Konzerne produzieren. Schon die lange Lieferkette birgt das Risiko von Engpässen und Ausfällen. Noch problematischer aber ist, dass sich die Produktion bei vielen Medikamenten auf wenige Betriebe konzentriert. Kommt es dort zu Problemen, können die Hersteller nicht ausweichen.

+++ AfD: Alexander Gauland hört diese Frage – und fängt an zu brüllen +++

Meistens können die Apotheken Alternativpräparate anbieten, Grund zur Panik besteht also nicht. Bei manchen Erkrankungen, etwa bei Schilddrüsenproblemen, kann es dennoch zu unangenehmen Folgen kommen: Denn in den Alternativmedikamenten ist nicht immer der exakt selbe Wirkstoff enthalten, wie in den Arzneien, auf die die Patienten eingestellt sind.

Arznei-Engpässe: Jens Spahn will Meldepflicht

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will nun stärker gegen Lieferengpässe in Deutschland vorgehen. „Patienten erwarten zu Recht, dass sie dringend notwendige Medikamente unverzüglich bekommen“, sagte der CDU-Politiker am Montag laut Mitteilung. „Das ist momentan leider zu häufig nicht der Fall.“ Der Bund werde daher wieder stärker in die Verteilung von Arzneien eingreifen.

+++ Sahra Wagenknecht im DERWESTEN-Interview: „Müssen uns gegen diese Politik wehren“ +++

Spahn kündigt eine Meldepflicht an. Damit könnte Pharmafirmen und Großhändlern vorgeschrieben werden, Behörden über Lagerbestände und drohende Lieferengpässen bei versorgungsrelevanten Arzneien zu informieren.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht die Lösung an anderer Stelle. Er mahnt an: „Die zunehmenden Lieferengpässe bei Medikamenten sind nur vermeidbar, wenn wichtige Wirkstoffe wieder in Deutschland produziert werden und die Firmen, die den Zuschlag bei Ausschreibungen bekommen, Liefergarantien abgeben. Hier muss Gewinnmaximierung enden.“ (pen, dpa)

 
 

EURE FAVORITEN