Hunger auf Erfolg

07.10.2015 - Gespräch mit Dr. Axel Schlömerich, neuer Rektor der Ruhr-Universität-Bochum. Foto: Matthias Graben / FUNKE Foto Services
07.10.2015 - Gespräch mit Dr. Axel Schlömerich, neuer Rektor der Ruhr-Universität-Bochum. Foto: Matthias Graben / FUNKE Foto Services
Foto: MATTHIAS GRABEN
Der neue Rektor der Ruhr-Universität Bochum, Prof. Axel Schölmerich, setzt auf Spitzenforschung und enge Zusammenarbeit mit den Nachbarunis.

Bochum.  Seit 2007 sind die Universitäten in Bochum, Duisburg-Essen und Dortmund in einer Universitätsallianz (UA Ruhr) miteinander verbunden. Der mächtige Hochschulverband prägt seither Forschung und Lehre im Ruhrgebiet. Ein Wechsel an der Spitze einer der großen Unis betrifft daher auch die Zukunft des Hochschullebens in der Region. Im 50. Jubiläumsjahr der Ruhr-Universität Bochum (RUB) löst der Entwicklungspsychologe Prof. Axel Schölmerich Prof. Elmar Weiler im Rektoramt ab, der seit Dezember 2006 die Geschicke der Uni lenkte. Welchen Kurs wird der neue Mann steuern?

Ihr Vorgänger hat die Forschungsstärke der Ruhr-Uni stark ausgebaut. Wollen Sie das fortsetzen?

Schölmerich: Selbstverständlich! Dieser Weg war für die RUB gut und richtig. Die Erfolge bei den beiden Runden der bundesweiten Exzellenz-Initiative haben dazu beigetragen, die Uni auch international bekannter zu machen. Aber wir haben hier noch viel Luft nach oben. Bei der Drittmittelforschung, also bei durch öffentliche oder private Geldgeber finanzierten Projekten, sind wir noch nicht da, wo wie hinwollen und hingehören.

Wie wollen Sie das verbessern?

Das Verfassen von Anträgen für Forschungsgelder ist extrem aufwändig. Das neue Rektorat überlegt derzeit, wie man die Forscher dabei unterstützen kann. Denn der Ruf einer Universität wird wesentlich von der Forschung geprägt.

Profitieren davon auch die Studenten?

Erfolge in der Spitzenforschung definieren auch den Marktwert von Studienabschlüssen. Die Uni kann dadurch wertvollere Zeugnisse überreichen. Das muss man den Studenten klarmachen. Es ist gut, dass Deutschland einige Spitzenunis hat, doch es darf nicht sein, dass einige Unis dauerhaft oben und andere immer unten bleiben. Da darf es keine Erbhöfe geben.

Die nächste Exzellenz-Initiative startet bereits in diesem Jahr und soll auch auf mehr Kooperationen zwischen den Hochschulen setzen. Sehen Sie für die Universitätsallianz Ruhr da Chancen?

Auf jeden Fall! Wir haben früh verstanden, dass wir in der Universitäts-Allianz Dinge stemmen können, die man alleine nicht schafft. Die Ruhrregion gehört heute zu den forschungsstärksten Wissenschaftsregionen in Deutschland. Der neue Profilschwerpunkt Materials Chain in den Materialwissenschaften ist bundesweit einzigartig und von erheblicher Bedeutung für die Wirtschaft in der Region. Wir erhoffen uns aus diesem Bereich auch neue Existenzgründungen. Das gleiche gilt für das Exzellenzcluster Resolv in der Chemie.

Wie können die drei Unis weiter zusammenwachsen?

In der Forschung haben wir bereits einige gemeinsame Projekte gestartet, weitere werden folgen. Während die Forschungskooperation also auf einem guten Weg ist, scheint mir die Zusammenarbeit in Lehre und Verwaltung noch ausbaufähig zu sein. Besonders reizvoll ist die Vorstellung, nach dem Bachelorabschluss einen auf den Forschungsschwerpunkt aufgesetzten Masterstudiengang der Allianz studieren zu können.

Die Kassen des Landes sind klamm. Bedroht dies die Entwicklungsfähigkeit der Hochschulen?

Wir müssen langfristig zu einer strategischen Budgetierung kommen. Das bedeutet: Es gibt Durchschnittswerte, was jeder Student, ob in der Medizin, den Geistes- oder Ingenieurwissenschaften, kostet. Diese Zahlen muss man zur Grundlage des Etats machen. Pro Student gibt NRW deutlich weniger aus als die meisten anderen Bundesländer. Ziel muss es sein, dass jedes Land etwa auf das gleiche Niveau kommt. Das wäre für NRW ein großer Schritt.

Wie sehen sie die Rolle der Unis in der Region?

Wir treiben den Strukturwandel an und sind einer der größten Arbeitgeber. Was noch nicht gut funktioniert: Junge Menschen, die hier qualifiziert werden, finden oft keine angemessenen Jobs und gehen fort. Da müssen wir besser werden. Die Region besitzt viele qualifizierte Leute und ist daher für Industrieansiedlungen attraktiv.

Welche Ziele möchten Sie persönlich in Ihrem Amt erreichen?

Dass alle Mitglieder der Uni an einem Strang ziehen, ein Wir-Gefühl entwickeln. Dass die Studenten sich hier wohlfühlen. Dazu gehören Partyflächen ebenso wie eine gute Bibliothek. Und dass mehr Studenten trotz der zeitlichen Probleme für ein Semester ins Ausland gehen können.

 
 

EURE FAVORITEN