Homo-Ehe entzweit Protestanten

Düsseldorf/Bielefeld.  Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) strebt nach der ersten evangelischen Trauung eines homosexuellen Paars am Wochenende in Hessen keine bundesweit einheitliche Regelung an. Ob homosexuelle Paare einen Segen oder – wie nun in der Evangelischen Kirche Hessens – auch eine kirchliche Beurkundung erhalten, müsse jede der insgesamt 20 Landeskirchen für ihren Bereich entscheiden, sagte ein EKD-Sprecher in Hannover. 14 Landeskirchen hätten inzwischen eine Regelung zumindest zur Segnung der Paare.

„Wir segnen nicht die Lebensform“

Wie schwierig das Thema für manche Landeskirche ist und welche verbalen Verrenkungen dabei vollzogen werden, zeigt das Beispiel der Evangelischen Kirche im Rheinland (Ekir) und in Westfalen.

Im Rheinland gibt es seit gut zehn Jahren zwar eine Segnung für gleichgeschlechtliche Paare, die in einer verbindlichen Partnerschaft leben. Diese Segnung soll aber nicht so heißen – und firmiert deshalb offiziell als „gottesdienstliche Begleitung“. „Es handelt sich nicht um eine Trauung, und es ist auch keine Amtshandlung“, betont Ekir-Sprecherin Kornelia Roßkothen. „Wir segnen Menschen, aber nicht die Lebensform.“ Die kirchliche Beurkundung einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft, so wie jetzt in Hessen vollzogen, sei derzeit im Rheinland nicht geplant.

Bei der Evangelischen Kirche von Westfalen heißt es in der 2003 erstellten „Arbeitshilfe“ für die Gemeinden, die immer noch gültig ist: „Nach dem ausdrücklichen Willen der Landessynode soll es wegen fehlenden theologischen Konsenses in dieser Frage keinen öffentlichen Segnungsgottesdienst für gleichgeschlechtliche Paare in der Evangelischen Kirche von Westfalen geben.“ Die westfälischen Protestanten sprechen offiziell von einer „Andacht für Lebenspartnerschaften“.

Umstrittenes Positionspapier

In ihrem neuen Positionspapier zur Familie hat die EKD unter anderem auch zur Unterstützung von Patchworkfamilien und gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften aufgerufen und war von der traditionellen Ehe als alleiniger Norm abgerückt. Das kirchenintern auch kritisierte Papier macht den Landeskirchen aber keine Vorschriften. Derzeit erarbeitet die EKD ein neues Positionspapier zur Sexualität, in dem auch die Homosexualität eine Rolle spielen soll.

Eine deutschlandweite Rahmenregelung hatte die EKD 2010 für das Zusammenleben homosexueller Pfarrer mit ihren Partnern im Pfarrhaus gefunden.