Hohe Kosten durch neue Stromzähler

Berlin.  Auf Millionen deutsche Haushalte kommen durch den Zwangseinbau von kommunikationsfähigen digitalen Stromzählern hohe Handwerkerrechnungen zu. Nach Informationen der NRZ wurde das entsprechende Gesetz, das die Umstellung auf die neuen Geräte regelt, kurz vor der gestrigen Verabschiedung durch den Bundestag auf Betreiben von Lobbyisten entscheidend geändert. Damit müssen Verbraucher Kosten in zum Teil vierstelliger Höhe selbst tragen.

Mittels eines kurzfristigen Antrags brachte die Union auf Betreiben des Stromriesen RWE und des Energieverbands BDEW eine kleine, entscheidende Änderung in das Gesetz ein. Danach entfällt die im Entwurf der Bundesregierung ursprünglich vorgesehene Regelung, dass die Einbaukosten „einschließlich der Installationsvorrichtungen“ vom Messstellenbetreiber getragen werden. Dieser Betreiber ist in der Regel ein großer Energiekonzern oder ein Stadtwerk.

Das Streichen der drei Wörter hat eine große Wirkung und zur Folge, dass insgesamt wohl Handwerkerrechnungen in Milliardenhöhe auf deutsche Hausbesitzer zukommen. Denn beim Einbau der neuen Stromzähler sind häufig umfangreiche Arbeiten notwendig. So passen die Geräte oft nicht in alte Schaltkästen, die dann komplett ausgetauscht werden müssen.

Der NRZ liegen Berechnungen aus der Branche vor, nach denen der Einbau eines neuen Zählerschranks einschließlich Installation mit deutlich mehr als 500 Euro zu Buche schlagen kann, abhängig vom Zustand der Hauselektrik. Werden weitere Umbaumaßnahmen notwendig, schnellen die Kosten leicht in den vierstelligen Bereich. Der Einbau einer Steuerbox, die bei Betrieb einer Solaranlage Pflicht ist, kostet den Angaben zufolge noch einmal über 500 Euro. Die neuen Zähler werden ab 2017 nach und nach eingebaut, bei größeren Verbrauchern verpflichtend, bei kleineren entscheidet der Messstellenbetreiber.

Deutschlands oberster Verbraucherschützer ist empört über die kurzfristigen Änderungen. „Es ist eine Zumutung, dass die Große Koalition in letzter Minute beschlossen hat, dass Verbraucher nicht nur die Kosten für Smart Meter, sondern auch für mögliche Installationsarbeiten bezahlen müssen“, sagte Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) dieser Zeitung. „Verbraucher werden über Gebühr zur Kasse gebeten und haben keine Chance, den Einbau abzulehnen.“

 
 

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