Hochwasser: Kritik an Kommunen

An Rhein und Ruhr..  Nach dem Hochwasser am Niederrhein kritisiert das Landesumweltministerium die Kommunen in NRW. Viele täten sich trotz zur Verfügung stehender Fördermittel schwer, den Gewässern Platz zu verschaffen. Dies aber betrachten Experten als eine der wichtigsten Maßnahmen zum Hochwasserschutz. Die Lage im Hochwassergebiet im Kreis Wesel entspannte sich gestern leicht.

Bei dem Hochwasser war das Wasser der eigentlich nur knietiefen Issel durch sintflutartigen Starkregen rasch auf über zwei Meter angestiegen. „Durch den ungebremsten Klimawandel werden Starkregenereignisse wie jetzt am Niederrhein oder vor zwei Jahren in Münster häufiger vorkommen“, so Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) gegenüber der NRZ. Der Klimawandel sei „kein abstraktes Gebilde, sondern er ist für uns in NRW sehr konkret“, so Remmel weiter. „Daher bereiten wir uns darauf vor, mit Maßnahmen bei der Klimaanpassung, aber auch durch Investitionen in den Hochwasserschutz.“ 295,5 Millionen Euro seien zwischen 2010 und 2015 für den Hochwasserschutz an den großen Gewässern ausgegeben worden.

Bei großen Flüssen wie dem Rhein können Hochwasser mehrere Tage im Voraus vorhergesagt werden, so Henning Werker, Geschäftsführer des Hochwasser Kompetenz Centrums (HKC) in Köln. Anders bei kleinen Flüssen, die nach Starkregenereignissen rasant anschwellen und, wie in Bayern geschehen, zu gefährlichen Schlammlawinen werden können. „Man muss wassersensibler denken und den Flüssen mehr Raum zur Ausdehnung verschaffen“, so Hochwasserexperte Werker im Gespräch mit der NRZ.

Die sogenannte Wasserrahmenrichtline der EU sieht vor, dass Europas Flüsse bis 2027 renaturiert werden. „Das kann im Wesentlichen nur erreicht werden, wenn den Gewässern mehr Raum zur Verfügung steht“, was auch dem Hochwasserschutz diene, so das Landesumweltministerium.

Allerdings würden diese Maßnahmen durch die dafür verantwortlichen Kommunen bislang „nur zögerlich“ umgesetzt. Die zur Verfügung stehenden Fördermittel seien bislang nicht vollständig abgerufen worden. Werde das Umsetzungstempo nicht „erheblich“ gesteigert, bestehe das Risiko, dass die vorgegebenen Ziele bis 2027 nicht erreicht würden, so das Ministerium.

 
 

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