„Hart aber fair“ zu Clans: Bei diesem Video lachen alle – nur einer nicht

„Hart aber fair“: Am Montagabend ging es um Clans.
„Hart aber fair“: Am Montagabend ging es um Clans.
Foto: ARD

Das Wort bereitet Sorge: „Beuteland“.

So heißt eine Dokumentation über Clans, die am Montagabend in der ARD lief. Einer der Autoren, Olaf Sundermeyer, war anschließend zu Gast bei „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg.

Er sagt: Kriminelle Mitglieder arabischer Clans betrachten alles, was außerhalb ihrer Parellelwelt liegt, als Beuteland: Deutschland, unsere Gesellschaft, unser Zuhause. Ein Land, „wo sie sich einfach bedienen können“, sagt Sundermeyer, der die Szene kennt. „Da wird immer permanent in die Weichteile der demokratischen Verfasstheit des Staates getreten.“

„Hart aber fair“: Bringt die harte Tour irgendwas?

Der Staat schlägt inzwischen zurück - zumindest gibt er sehr öffentlichkeitswirksam mit ständigen Razzien den Anschein. Frank Plasberg fragt bei „Hart aber fair“ entsprechend: „Clans im Visier des Staates – was bringt die harte Tour?“

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NRW-Innenminister Herbert Reul propagiert in seinem Bundesland seit eineinhalb Jahren eine „Politik der Nadelstiche.“ In welchem Verhältnis denn der enorme Aufwand und das Ergebnis stehen, will Moderator Frank Plasberg wissen.

„Hart aber fair“: Erste Publikumslacher

Reul antwortet lakonisch: „In einem sehr guten.“ Die anschließende Pause ist gerade lang genug, um erste Publikumslacher zu provozieren. „Hätten Sie die Güte, das noch einmal genauer auszuführen?“, fragt Plasberg süffisant.

Das macht Reul gerne und liest Zahlen ab, die er sich vorher extra notiert hatte: „Wir haben mittlerweile 860 Razzien durchgeführt, 26.000 Personen kontrolliert, 340 Festnahmen. Es ist nicht die große Tat, es sind die Nadelstiche.“ Auf Essens Straßen hätten die Clans gedacht, es würden nur die Regeln der Familie gelten. „Aber jetzt zeigen wir das Gegenteil. Es breitet sich ein Stück Unruhe aus in diesen Kreisen.“

„15? Was ist das denn für ne Zahl?“

Anwalt Lászlá Anisic, der immer wieder auch Clanmitglieder vor Gericht vertritt, sieht Reuls Dauer-Razzien kritisch. „Quantität kann nicht Qualität verdrängen. Niemand hat etwas gegen eine ordentliche Verbrechensverfolgung. Aber Sie sollten nicht mit diesem Heuschreckenprinzip über irgendwelche kleinen Shishabars oder irgendwelchen Restaurants in Vorstädten einfallen, wo Kleinkriminelle herumsuhlen.“

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„Hart aber Fair“:

  • Der wöchentliche Polit-Talk läuft seit 2001 im Fernsehen
  • Zuerst wurde „Hart aber Fair“ im WDR ausgestrahlt
  • Seit 2007 läuft die Sendung in der ARD
  • Von Beginn an ist Frank Plasberg der Moderator von "Hart aber fair"

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Als Jurist stelle er auch die Frage: „Was wird daraus am Ende eigentlich?" Wie oft es zu Verurteilungen kommt, kann Reul nicht sagen. Aber: „Wir haben bei Verfahren, die wir im Bereich Organisierter Kriminalität führen, 15 Stück, die mit Clans zusammenhängen. Unser Ziel ist, die großen zu erwischen, damit das klar ist.“

Anisic kontert: „15? Was ist denn das für ne Zahl?“

„Hart aber fair“: „Man jagt die Boten, nicht die Bosse“

Tatsächlich ist bislang schwer messbar, welchen Nutzen die Razzien in Shishabars und anderen Geschäften haben. Ein „Hart aber fair“-Einspieler listet auf: Nach 860 Razzien, 26.000 Kontrollen, und 350 Festnahmen wurden 10.000 Straftaten und Ordnungswidrikeiten festgestellt. Wie oft es nun aber um echte Straftaten und wie oft nur um Ordnungswidrigkeiten ging, dazu macht das NRW-Innenministerium keine Angaben.

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Oft geht es um unversteuerten Tabak, ein Grundgeschäft der Clans. SPD-Oppositionschef Thomas Kutschaty sagte dazu jüngst: „Man jagt nur die Boten der Clans, nicht die Bosse.“

Vielleicht wird man erst in einigen Jahren feststellen, ob sich die Polizei-Aktionen wirklich gelohnt haben oder nicht. Für Ahmad Omeirate haben die Aktionen aber schon jetzt einen unangenehmen Nebeneffekt. Der Islamwissenschaftler legt Wert auf das „e“ am Ende seines Nachnamens, der auch so schon sehr dem Namen ähnelt, den einige kriminelle Clan-Mitglieder tragen.

Frank Plasberg: „Was wissen Sie über Kriminelle in Ihrer Familie?“

„Die Polizei tut so, als ob jeder mit einem bestimmten Namen zu einem kriminellen Clan gehört.“ Zumal es kaum um eine Verwandtschaft gehe, viele der Familien hätten den ein oder anderen Nachnamen irgendwann angenommen; es gebe entsprechend viele verschiedene Zweige. „Was wissen Sie über Kriminelle in Ihrer Familie oder im weiteren Kreis derer, die ihren Namen tragen?“, fragt Plasberg. Ahmad Omeirate antwortet: „Es wird immer gemunkelt. Man ist nicht konkret in Kontakt mit solchen Personen.“ Werde aber dennoch stigmatisiert.

Anwalt Anisic pflichtet bei: „Da wird eine Gleichmacherei betrieben. In Bremen hat einer eine Wohnung nicht bekommen. Ein Zahnarzt mit deutschem Pass. Man kann da nicht alle in eine Schublade stecken und draufhauen.“

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Tatsächlich kann eine solche Stigmatisierung den Teufelskreis noch enger ziehen - gerade auch für junge Familienmitglieder.

Ein Werbespot von Edeka, der bei „Hart aber fair“ eingespielt wird, nimmt diesen Aspekt auf die Schippe. Schauspieler Kida Khodr Ramadan, bekannt aus der Clan-Serie „4 Blocks“ wirbt einen Jugendlichen an - es gehe „Geschäfte mit Kartoffeln“. Die Pointe: Der verdutzte Junge, der sich eine Clanboss-Karriere vorgestellt hatte, arbeitet jetzt in der Gemüseabteilung von Edeka.

Herbert Reul amüsiert sich köstlich über den Spot. Und auch Ahmad Omeirate lacht. Kida Khodr Ramadan sei ein Vorbild für viele jugendliche Araber. „Er hat es aus dem Milieu bis zum Schauspieler geschafft. Von daher sag ich nur: Chapeau.“

„Hart aber fair“: Werbespot von Edeka findet nicht jeder lustig

Nur Olaf Sundermeyer findet das offenbar nicht witzig. „Indem er einen Kriminellen spielt. Als Role Model für andere junge Leute, die in Neukölln aufwachsen, und das nachahmen wollen. Der genießt diese Anerkennungsposition, weil er ein erfolgreicher Schauspieler ist. In den arabischen Großfamilien wird er dafür abgefeiert. Viele junge Männer träumen davon, selbst da mitzuspielen.“

Frank Plasberg zieht die Runde weg vom Thema, bevor die Diskussion richtig starten kann. Schade, denn die Prävention wird nach wie vor stiefmütterlich behandelt. Schon Anfang des Jahres hatte NRW-Minister Reul bei einem Symposium eingeräumt, dass man das Thema Prävention noch nicht so recht auf dem Schirm habe. Viel passiert ist seitdem nicht.

 
 

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