Hart aber fair (ARD): Bürgermeister unter Beschuss – stachelte Berliner Senat die Demo-Krawallmacher erst auf?

Hart aber fair: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller unter Beschuss.
Hart aber fair: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller unter Beschuss.
Foto: Screenshot ARD/Mediathek

Die Corona-Großdemo in Berlin am Samstag ist ein bestimmendes Thema in der ARD-Sendung Hart aber fair. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller steht dabei im Studio in der Schusslinie.

Müller hat bei Hart aber fair Mühe, das gekippte Demo-Verbot zu rechtfertigen. Wurden Radikale und Rechte unter den rund 38.000 Demonstranten durch den Versuch des Verbots sogar noch angestachelt?

Hart aber fair (ARD): „Dieses 'jetzt erst recht' haben sie damit erreicht"

Bei Hart aber fair geht es am Montagabend um die Frage: „Streit um Corona-Verbote: Wie viel Freiheit ist noch drin?“ Genau diese Frage stellte sich am Samstag auch in der Hauptstadt Berlin. Der Senat hatte die Demonstration der Corona-Gegner verbieten wollen – zum einen wegen der Infektionsgefahr, zum anderen begründete das SPD-Innensenator Andreas Geisel aber auch mit den Teilnehmern selbst: „Ich bin nicht bereit ein zweites Mal hinzunehmen, dass Berlin als Bühne für Corona-Leugner, Reichsbürger und Rechtsextremisten missbraucht wird.“

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In einem Einspielfilm mit Stimmen von Demo-Teilnehmern, den Plasberg zeigt, wird deutlich, dass genau dieser Verbotsversuch scheinbar kontraproduktiv war. Eine Demonstrantin sagt in dem Video: „Dieses 'jetzt erst recht' haben sie damit erreicht. Und dass wir noch mehr Aufmerksamkeit kriegen.“

Bürgermeister Michael Müller versucht die Haltung seines Senats zu verteidigen: „Es gab ja einen Vorläufer zu dieser Demo, wo auch schon alle Regeln missachtet wurden.“ Damals seien ebenfalls keine Masken getragen worden – und Rechtsextremisten seien dort aufgetaucht. Man wollte in Berlin nicht „sehenden Auges nicht wieder so ein Risiko eingehen.“

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Hart aber fair (ARD): „Gerade dieses Verbot im Vorhinein hat dafür gesorgt ..."

Frank Plasberg hakt nach: Die Behörden würden doch jetzt dastehen als diejenigen, die Grundrechte beschneiden wollten. „Da konnten Sie doch nur verlieren?“, meint der ARD-Moderator. Müller argumentiert dagegen und erinnert an fehlende Corona-Schutzmaßnahmen auf der Demo: „Wenn jetzt bewusst dagegen verstoßen wird - bewusst, denn das ist ja Wesen dieser Demonstration, dagegen zu verstoßen - dann gefährdet man sich und andere Menschen. Und es ist nach wie vor auch Aufgabe der Politik, nicht nur das Demonstrationsrecht zu garantieren, sondern auch den Gesundheitsschutz.“

Andere Talk-Gäste zeigen kein Verständnis für den Berliner Senat. FAZ-Journalist Jasper von Altenbockum kritisiert das gescheiterte Demo-Verbot deutlich: Die Begründung sei „indiskutabel“ gewesen. „Die Politik darf nicht der Schulmeister der Demonstranten sein.“ Wenn man wegen Erfahrungen aus der Vergangenheit Demonstrationen verbiete, wären auch viele andere davon betroffen. „Man kann nicht vom Konjunktiv ausgehen!“

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Das sieht Lehrerin und Publizistin Lamya Kaddor genauso und wirft Müller und seinem Senat eine unkluge Strategie vor: „Gerade dieses Verbot im Vorhinein hat dafür gesorgt, dass sich jene Krawallmacher tatsächlich besonders angesprochen gefühlt haben.“ Sie habe sich „sehr unwohl gefühlt in der Rolle, plötzlich der AfD recht geben zu müssen“. Durch das Verbot sei genau jene Gruppe angestachelt worden, „die nur darauf wartet, dieser sogenannten Diktatur, diesem Staat, denen da oben etwas entgegenzusetzen und jetzt mal richtig zu zeigen, wie es eigentlich zu funktionieren hat.“

ARD-Talkshow Hart aber fair: Bernd Stelter springt dem Berliner Bürgermeister zur Seite

Einzig Kabarettist Bernd Stelter springt dem Berliner Bürgermeister zur Seite: Man müsse auch bedenken, dass es eine „massive Einschränkung der Freiheit“ sei, wenn die Demonstranten Infektionen anderer Menschen bewusst riskieren.

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Dass dieses Risiko realistisch ist, befürchtet auch Ärztin und Wissenschaftsjournalistin Dr. Julia Fischer. Zwar könnte der „Faktor frische Luft“ Infektionen verhindert haben, aber die Zahl 38.000 sei schon besonders groß, zumal die Menschen eng gedrängt standen und sich auch in öffentlichen Verkehrsmitteln näher kamen. Deshalb sagt Fischer: „Ein Infizierter kann da durchaus ein großes Infektionsgeschehen auslösen. Das Risiko ist nicht gering.“ Dieser Ausbruch müsse aber nicht in Berlin folgen, denn die Demonstranten kamen aus dem ganzen Bundesgebiet.

Hart aber fair: Vorbericht zur Sendung – Ausgerechnet ER ist heute zu Gast bei Plasberg

Deutschland ist immer noch aufgewühlt von den Bilder am Wochenende: Hunderte Demonstranten stürmten auf das Reichstagsgebäude zu. Die Berliner Polizei wirkte kurzzeitig überfordert. Ein Thema auch bei Hart aber fair (ARD) mit Moderator Frank Plasberg.

Am Montagabend (21 Uhr, ARD) diskutiert Plasberg bei Hart aber fair über die Frage: „Streit um Corona-Verbote: Wie viel Freiheit ist noch drin?“

Hart aber fair (ARD): Ausgerechnet DIESER Gast ist heute zu Gast

Ganz aktuell greift die ARD-Talkshow Hart aber fair die Demo-Ereignisse in Berlin auf. Die Redaktion fragt in der Ankündigung zur Sendung: „Wie viel Freiheit darf sein trotz Corona? Drohen jetzt im grauen Herbst neue Verbote?“

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Mehr zu Hart aber fair (ARD)

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Dazu hat Frank Plasberg diese Talk-Teilnehmer im ARD-Studio:

  • Publizistin und Lehrerin Lamya Kaddor
  • Kabarettist Bernd Stelter
  • FAZ-Redakteur Jasper von Altenbockum
  • Wissenschaftsjournalistin und Ärztin Dr. Julia Fischer
  • Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin

Hart aber fair (ARD): Ausgerechnet Michael Müller ist heute zu Gast

Ausgerechnet zwei Tage nach dem Demo-Wahnsinn mitten in Berlin – vor der russischen Botschaft, am Brandenburger und am Reichstag – traut sich der Regierende Bürgermeister Michael Müller also in die ARD-Talkshow. Und dass, obwohl Frank Plasberg nicht für zimperliche Fragen bekannt ist.

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Das ist Michael Müller

  • Der 55-jährige SPD-Politiker ist seit 2014 Regierender Bürgermeister von Berlin.
  • Zur Bundestagswahl 2021 will er für den Bundestag kandidieren und somit in die Bundespolitik wechseln.
  • Im August 2019 wurde die Trennung von seiner Frau öffentlich.

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Es ist also davon auszugehen, dass Michael Müller sich heute auch für seinen in der Kritik stehenden Innensenator Andreas Geisel (SPD) rechtfertigen muss. Geisel hatte versucht, die Demo zu verbieten, scheiterte aber. Auch das kurzzeitige Polizei-Chaos am Reichstag dürfte Thema in der Sendung sein. Schließlich sind das alles Steilvorlagen für Moderator Frank Plasberg.

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