Hannelore Kraft weiß schon, wer SPD-Kanzlerkandidat wird

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sagt, die Entscheidung über den SPD-Kanzlerkandidaten sei schon gefallen.
NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sagt, die Entscheidung über den SPD-Kanzlerkandidaten sei schon gefallen.
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  • Hannelore Kraft sorgte mit Andeutungen für Gesprächsstoff
  • Die NRW-Ministerpräsidentin wisse, wer bei der SPD Kanzlerkandidat werde
  • Eigentlich will die Partei erst Ende Januar die Personalie bekanntgeben

Düsseldorf.. Es ist fast auf den Tag genau 20 Jahre her, als der damalige Ministerpräsident Johannes Rau (SPD) auf Fragen nach seinem Abschied aus dem Amt orakelte: „Ich weiß es, meine Frau ahnt es, aber ich sage nicht einmal den Wochentag.“ Rhetorisch vergleichbar, aber politisch weit folgenreicher ließ sich nun die aktuelle Regierungschefin Hannelore Kraft (SPD) ein. Beim „Ständehaus-Treff“, einer beliebten Plauderrunde in Düsseldorf, gab sie Auskunft über den nächsten SPD-Kanzlerkandidaten. „Ich weiß, wer es wird, aber ich sage es Ihnen nicht“, zitierte sie die veranstaltende „Rheinische Post“.

SPD-Fahrplan für Kanzlerkandidat nur Theater?

Das ist insofern bemerkenswert, als die SPD-Spitze bislang eisern am Fahrplan festhält, erst Ende Januar ihren Kanzlerkandidaten zu benennen. Parteichef Sigmar Gabriel spekulierte zuletzt öffentlich über drei mögliche Anwärter, womit neben ihm selbst der scheidende Europaparlamentspräsident Martin Schulz und Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz gemeint waren. Generalsekretärin Katarina Barley brachte noch am Montag einen Mitgliederentscheid ins Gespräch. Alles nur Theater, wie CDU und FDP nach Krafts „Ich weiß, wer es wird“-Äußerung höhnten?

In Düsseldorf konkurrierten am Dienstag zwei Deutungen miteinander. Erstens: Kraft habe sich zu einer unbedachten Äußerung hinreißen lassen und eigentlich sagen wollen, dass sie persönlich einen klaren Favoriten habe. Niemals habe sie das im SPD-Vorstand verabredete Nominierungsverfahren zur Farce machen wollen. Oder zweitens: Kraft habe endlich Tempo in die Kandidatenkür bringen wollen, damit diese bloß nicht ihren Landtagswahlkampfstart Anfang 2017 belaste.

Gabriel und Schulz gelten als chancenreichste Politiker

Die NRW-SPD sendet seit Wochen widersprüchliche Signale. Der Landtagsfraktionschef und Kraft-Vertraute Norbert Römer hatte zuletzt mehrfach die Kanzlerkandidaten-Qualitäten von Parteichef Gabriel gelobt und ihn zum natürlichen Spitzenmann ernannt. Zugleich setzten die NRW-Genossen den offenkundig ebenfalls ambitionierten Martin Schulz auf Platz eins ihrer Bundestagsreserveliste. Schlau wird man daraus nicht. Um es mit Johannes Rau selig zu sagen: „Traue keinem Zitat, das Du nicht selbst aus dem Zusammenhang gerissen hast.“ (dpa)

 
 

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