Hallen bleiben Flüchtlings-Unterkünfte - so geht es weiter

Rund 90.000 Flüchtlinge sind im laufenden Jahr bereits nach NRW gekommen. Viele von ihnen werden zurzeit - so wie hier in Bochum - in Turnhallen untergebracht.
Rund 90.000 Flüchtlinge sind im laufenden Jahr bereits nach NRW gekommen. Viele von ihnen werden zurzeit - so wie hier in Bochum - in Turnhallen untergebracht.
Foto: Ralf Rottmann/Funke Foto Services
Vereine und Schulen im Revier planen, was sie tun, wenn ihre Halle weiter als Notunterkunft dient. Fragen und Antworten zur Flüchtlings-Unterbringung.

Ruhrgebiet.. Rechnet man die Zahlen weiter, wird NRW etwa 130.000 Flüchtlinge in diesem Jahr aufnehmen. Das wären viele – aber auch wieder nur 0,75 Prozent der Bevölkerung. Auf 125 Einwohner käme dann ein Flüchtling.

Wie geht das weiter?

Mit einem alten Bonmot: „Prognosen sind immer besonders schwierig, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen.“ Aber in den vergangenen Jahren, auch denen mit wenigen Asylbewerbern, stiegen die Zahlen in der zweiten Jahreshälfte immer.

Was passiert mit den belegten Turnhallen am Ende der Ferien?

Einige werden belegt bleiben. In Herne etwa bereiten sich allein zehn Sportvereine darauf vor, dass die Halle Wanne-Süd weiter bewohnt ist. Sie werden ihren Sport zunächst im Freien treiben. Kritisch wird es, wenn Meisterschaften und Turniere beginnen. Denn in vielen Revierstädten sind 95 bis 97 Prozent der Hallenzeiten auch so schon vergeben.

Was machen die Schulen?

Beispiel Gladbeck: Busse werden die Gesamtschüler aus Rentford-Nord zu anderen Schulsporthallen bringen. Die Schulleitung rechnet damit, dass in der Oberstufe nichts ausfällt, darunter aber bis zu 50 Prozent. Und damit, dass die Flüchtlinge in der Sporthalle auch zum Unterrichtsthema werden – etwa in Sozialwissenschaften.

Können noch weitere Hallen bezogen werden?

„Es kann in den nächsten Tagen oder Wochen immer dazu kommen,“ sagt Christoph Söbbeler, der Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg: „Die Alternative ist: Man organisiert was – oder Obdachlosigkeit.“

Wie empfinden die Städte die Eilzuweisungen durch die Regierung?

Als chaotisch. Irgendwann komme ein Anruf, dann „kommt irgendwann ein Bus, ein Zettel mit einer Telefonnummer, bei der jemand drangeht, der kaum Ahnung hat. Wir haben keine Namen, keine Standards für die Unterbringung“, sagt Thorsten Schröder, Sprecher der Stadt Moers.

Kann man sich weigern?

Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn im Westen des Ruhrgebiets haben die Aufnahme von Flüchtlingsgruppen per Eilzuweisung letzte Woche verweigert. Sie hätten keinen Platz. Doch der Kämmerer von Neukirchen-Vluyn argumentierte danach in der Zeitung anders: Wenn man eine Turnhalle hergebe, sei das nicht für ein bis zwei Wochen.

Geht das so einfach?

Nein. Nochmal Christoph Söbbeler von der Bezirksregierung Arnsberg: „Wenn es hart auf hart geht und man hat nachdrücklich und vehement gebeten, dann ist es denkbar, dass man am Ende sagt: So, und das passiert jetzt!“ Dann könne eine Stadt per Weisung gezwungen werden. „Aber das wünscht sich niemand.“ In größter Not würden „letztendlich alle die Zähne zusammenbeißen“.

 
 

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