Härtere Strafen für Rüpel-Radler

Stefan Wette und Gregor Boldt

Goslar/Dortmund.  Verkehrsexperten fordern ein strengeres Vorgehen gegen Verkehrsverstöße von Radfahrern. Kay Nehm, Präsident des Deutschen Verkehrsgerichtstages, sprach bei der Tagung in Goslar von einem „Skandal“, dass die Regelverstöße der Radler von den Behörden oft geduldet würden.

„Wer heute in dunkler Jahreszeit mit dem Auto unterwegs ist, muss höllisch aufpassen. Kaum ein Radler fährt mit vorgeschriebener Beleuchtung, kaum ein Radler kümmert sich um Fahrtrichtung oder Ampeln“, so Nehm. Er sprach von lebensgefährlichen Verhaltensweisen. Die Folgen träfen gesundheitlich zwar die Radfahrer selbst, finanziell hafte aber oft der unaufmerksame Autofahrer.

Widerspruch kam vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). „Mit dieser Sicht macht man es sich zu einfach. Vielmehr sollten Vorschläge gemacht werden, wie der Aggressivität am Steuer und im Straßenverkehr insgesamt begegnet werden soll“, sagt Bettina Cibulski, Sprecherin des ADFC. Das NRW-Innenministerium weist die Kritik von Kay Nehm zurück, dass die Polizei nicht streng genug Verkehrssünder auf dem Fahrrad verfolge. „Man muss zunächst erst einmal genau analysieren, wie viele Unfälle tatsächlich von Radfahrern verursacht worden sind und wo sie Opfer waren“, sagte ein Sprecher dieser Zeitung. 2012 starben 81 Radfahrer im Straßenverkehr, 2011 waren es noch 69.

Ein Schwerpunkt der Tagung, an der rund 1900 Verkehrsexperten teilnehmen, sind Maßnahmen gegen die Aggressivität am Steuer. Studien haben ergeben, dass sich immer mehr Verkehrsteilnehmer von Dränglern und Rasern bedroht fühlen. Kay Nehm hält nicht viel von schärferen Regeln gegen Verkehrsrowdys. Mehr Überwachung sei notwendig, aber auch eine Bewusstseinsänderung der aggressiven Autofahrer, etwa durch Aufklärung. Siegfried Brockmann, Unfallforscher der deutschen Versicherer fordert: „Solche Menschen müssen von der Teilnahme am Straßenverkehr ausgeschlossen werden.“