Häftlinge aus Guantánamo gelandet

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Berlin.  Im Behandlungszentrum für Folteropfer in Berlin-Moabit haben sie ein prägnantes Bild für das gefunden, was mit den beiden ehemaligen Guantánamo-Gefangenen los ist, die gestern nach Deutschland kamen: „Die muss man sich wie Marsmenschen vorstellen, die vom Himmel auf einmal auf die Erde gefallen sind.“

Die monatelange Abschottung, oft in Isolierhaft unter widrigsten Bedingungen, erfordere nun eine behutsame Heranführung an das normale Leben, sagte ein Experte – „und vor allem Ruhe“. Dafür wollen die Behörden offenbar sorgen. Das Innenministerium in Mainz wollte gestern anders als Hamburg keine näheren Angaben über den Syrer (35) machen, der ebenfalls nach über acht Jahren Haft freikam. „Wir wollen, dass der Mann in aller Ruhe seinen Weg zurück in ein Leben in Freiheit finden kann“, sagte ein Sprecher von Innenminister Karl Peter Bruch (SPD). Er bestätigte, dass dem früheren Obsthändler, der aus amerikanischer Justiz-Sicht bereits seit 2006 als unschuldig galt, angeboten wurde, seine Frau und sein Kind ebenfalls nach Deutschland zu holen.

Wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière gestern in Berlin sagte, sollen die körperlich und psychisch traumatisierten Männer von der Öffentlichkeit abgeschirmt werden. Er wünsche sich, dass „sich die beiden Personen ohne medialen Druck in das Leben in Deutschland einfinden können“. Der CDU-Politiker hatte im Juli nach monatelanger Prüfung erklärt, von beiden Häftlingen gehe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Gefahr für Deutschland aus.

Die politisch auch in Unionskreisen heftig umstrittene Entscheidung zur Aufnahme hatte de Maizière vor allem damit begründet, dass die Bundesregierung das nach den Anschlägen am 11. September 2001 auf der Karibikinsel Kuba errichtete Lager kontinuierlich kritisiert habe und sich mitverantwortlich für die von US-Präsident Obama propagierte Auflösung fühle. Dieser Beitrag sei nun geleistet, eine Aufnahme weiterer Insassen des Gefangenenlagers werde es nicht geben, sagte der Innenminister.

In dem umstrittenen US-Lager auf Kuba werden seit nunmehr acht Jahren vorwiegend mutmaßliche Taliban oder El-Kaida-Mitglieder ohne juristisch einwandfreie Verfahren festgehalten. Nach seinem Amtsantritt hatte US-Präsident Barack Obama angekündigt, er wolle das von seinem Vorgänger George W. Bush errichtete Lager bis Januar 2010 schließen lassen. Dabei setzte er verstärkt auf die Mithilfe der internationalen Staatengemeinschaft, die sich allerdings nur zögerlich zur Aufnahme früherer Häftlinge bereitfand.

Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen sitzen noch immer rund 180 von anfänglich 800 Gefangenen in dem Lager fest. Die meisten entlassenen Gefangenen kehrten inzwischen nach Afghanistan (199), Saudi-Arabien (120), Pakistan (63) und in den Jemen (21) zurück.

 
 

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