Guttenberg kann sich neue Partei vorstellen

Karl-Theodor zu Guttenberg nährt Spekulationen über eine neue Partei. Noch sei er Mitglied der CSU, gibt der gestrauchelte Ex-Verteidigungsminister im Interview-Buch „Vorerst gescheitert“ an. Foto: dapd
Karl-Theodor zu Guttenberg nährt Spekulationen über eine neue Partei. Noch sei er Mitglied der CSU, gibt der gestrauchelte Ex-Verteidigungsminister im Interview-Buch „Vorerst gescheitert“ an. Foto: dapd
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Nicht nur Karl-Theodor zu Guttenberg nährt Spekulationen über eine neue politische Kraft. Als Drahtzieher gilt der frühere BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel. Noch sei er Mitglied in der CSU, kokettiert der gestrauchtelte Ex-Minister in den Interviews, die jetzt unter dem Titel „Vorerst gescheitert“ erscheinen.

Berlin. Er will wieder Gehör finden. In der CSU ist Karl-Theodor zu Guttenberg nach eigenen Worten „noch Mitglied“. Eine neue Partei kann er sich vorstellen. Im Buch „Vorerst gescheitert“ gibt der falsche Doktor, der im März den Titel verlor und als Minister aufgab, in Interviews Auskunft darüber, wie so eine Partei sein müsste.

Von solchen Überlegungen wisse er – „natürlich“. Offenbar wurde er angesprochen. „Es finden manchmal die lustigsten und skurrilsten Kontakte statt“, sagt er kokett. Und lässt offen, ob er zur nächsten Wahl antreten will. „Das Jahr 2013 wird vielen anderen die Schweißperlen auf die Stirn treiben.“ Ihm nicht?

Sehnsucht nach der Mitte

Guttenberg macht eine „große Sehnsucht nach der Mitte“ aus. Dort würde er eine neue Partei verorten. Daran und nach den Persönlichkeiten würde er ihre Erfolgschancen einschätzen. Man bräuchte Köpfe, sinniert Guttenberg, die „über jeden Zweifel erhaben sind“. Man müsste, schon um den rechten Rand abzuschrecken, „ein klares Bekenntnis zu Israel“ abgeben.

Am 3. Oktober wurde der CDU-Abgeordnete Wolfgang Bosbach darauf angesprochen, ob er in solch einer Partei mitarbeiten würde. Zugleich wurde ihm bedeutet, um die Finanzen brauche man sich keine Sorgen zu machen. Das ließ die „Zeit“ damals vermuten, dass die Euro-Skeptiker sich eine Partei basteln oder dass die Freien Wähler sich ausdehnen wollen.

Man käme „locker über fünf Prozent“

Bosbach lehnte ab. „Ich gehe davon aus, dass man nicht nur mit mir Gespräche geführt hat“, sagte er unserer Zeitung. Er nehme das Thema „ernst“. Für ihn hängt der Erfolg „wesentlich von den Persönlichkeiten ab“. Sie müssten bekannt und profiliert sein, „dann käme man locker über die fünf Prozent“. Unter Unions-Wählern gebe es „ein hohes Maß an Unzufriedenheit“. Daraus könnte eine neue Partei schöpfen. Es müsste aber eine breite bundesweite Bewegung sein: „Keine One-Man-Show.“

Als Drahtzieher wird häufig der frühere BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel genannt. Laut „Zeit“ wurde auch der ehemalige CDU-Fraktionschef Friedrich Merz angesprochen. „Es gäbe ein Potenzial“, sagte der Bonner Politikwissenschaftler Gerd Langguth unserer Zeitung. „Es würde aber das Ende der CDU bedeuten“, jedenfalls in ihrer heutigen Ausprägung, „das wissen auch die meisten.“

Ein „Vertrauensvakuum in der Mitte der Gesellschaft“ stellt Forsa-Chef Manfred Güllner fest. Frühere SPD-Wähler wie CDU-Abwanderer ordneten sich in der Mitte ein. „Ein Potenzial von politisch Heimatlosen ist vorhanden.“ Der Demoskop glaubt aber nicht, dass es mit Guttenberg funktionieren würde: „Da habe ich massiv Zweifel, weil die Leute nicht blöd sind.“

Überblick verloren

Wer eine Rückkehr Guttenbergs fürchte, tue das „vermutlich völlig zu Recht“, befand Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo nach mehrtägigen Gesprächen mit dem früheren Verteidigungsminister. Gerade entschied der Staatsanwalt in Hof, das Verfahren gegen ihn einzustellen, wenn er eine Geldauflage zahlt. Guttenberg versichert, seine Doktorarbeit sei nicht gefälscht. Er habe bloß den Überblick verloren; deshalb Zitate unsauber ausgewiesen.

Der Mann drängte darauf, dass das Buch noch in diesem Jahr erscheint. Zuletzt gab er „Bild“ ein Interview, und Schlagzeilen machte er auf einer Konferenz in Kanada. Er testet die Stimmung. Die nächste Wahl, im Bund wie in Bayern, ist 2013. Wenn er aufgestellt werden will, muss das Comeback 2012 gelingen.

Anfang des Jahres will er in Aachen die Laudatio auf den Ordensritter wider den tierischen Ernst halten. Das habe er dem Karnevalsverein versprochen, erzählt er, „also werde ich da sein“. Ein Mann, ein Wort.

Es darf gelacht werden.

„Vorerst gescheitert“

Das Buch vom Herder-Verlag ist ab heute im Handel. Startauflage: 80.000. Nur ein Drittel der 208 Seiten handelt von der Plagiatsaffäre. Es ist ansonsten eine anekdotenreiche und kurzweilige Lektüre. Karl-Theodor zu Guttenberg gibt viel über sich, seine Jugendträume, seinen Musikgeschmack, über Familie und Politik preis.

Die Gespräche führte der Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo Mitte Oktober in einem Hotel in London. Guttenbergs Losung: „Wer fällt, muss auch wieder aufstehen können.“

Die Dissertation nennt er die „größte Dummheit seines Lebens“. Er würde unter Eid („ja, selbstverständlich“) sagen, dass niemand für ihn die Doktorarbeit geschrieben habe. Von Plagiat will er nichts wissen. „Es gibt ja bei jedem Menschen mal eine Phase, wo er die notwendige Sorgfalt vermissen lässt oder mal fünf gerade sein lässt“.

Über sein Wirken in der Opel-Krise sagt er: „Ich würde das wieder genau so machen.“ Ein Satz, den er dann oft variiert. Mit Kritikern rechnet er ab. Den Rechtswissenschaftler Oliver Lepsius verdächtigt er, ihm gehe es nur um sein eigenes Profil. Den Medien wirft er vor, es habe an Verhältnismäßigkeit gemangelt.

Sauer ist er auch auf Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), weil er Kritik geübt hatte, ohne vorher das Gespräch mit ihm zu suchen. Lammert hatte die Affäre um Guttenbergs Doktorarbeit als „Sargnagel für das Vertrauen in unsere Demokratie“ bezeichnet. Nun kontert Guttenberg: „Ein Sargnagel braucht immer jemand, der den Hammer hält und den Nagel einschlägt.“

 
 

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