Guttenberg droht wegen Doktorarbeit juristisches Nachspiel

DerWesten
Er hat in seiner Doktorarbeit abgeschrieben - jetzt droht Karl-Theodor zu Guttenberg ein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft Hof leitet Ermittlungen gegen den zurückgetretenen Verteidigungsminister ein.

Bayreuth. Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) droht wegen seiner teils abgeschriebenen Doktorarbeit ein juristisches Nachspiel. Die zuständige Kommission der Universität Bayreuth wird laut einem Bericht des Magazins „Stern“ bestätigen, dass Guttenberg mit seiner Dissertation getäuscht hat. „Was Guttenberg gemacht hat, ist Täuschung im Sinne dessen, was die Verwaltungsgerichte bislang geurteilt haben“, sagte ein Mitglied der Bayreuther Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft dem Magazin.

In zwei Wochen will das Gremium dem „Stern“ zufolge seinen Abschlussbericht veröffentlichen. Dann werde es auch einen Überblick über mögliche straf- und zivilrechtliche Konsequenzen geben, hieß es.

80 Anzeigen gegen Guttenberg

Bisher liegen bei der Staatsanwaltschaft Hof 80 Anzeigen gegen Guttenberg vor, überwiegend wegen Verstößen gegen das Urheberrecht. Deswegen leitet die Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein. Geprüft werde, ob strafrechtlich relevante Urheberrechtsverletzungen vorlägen, sagte Oberstaatsanwalt Reiner Laib der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Auch werde untersucht, ob es ein besonderes öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung gebe. Dabei werde die Staatsanwaltschaft die Ergebnisse der Kommission der Universität berücksichtigen, die die Plagiatsvorwürfe prüft.

Guttenberg hatte Fehler in seiner Doktorarbeit eingeräumt, eine Täuschung aber bestritten. Dennoch war er am Dienstag als Verteidigungsminister zurückgetreten. Am Donnerstag erhielt er von Bundespräsident Christian Wulff seine Entlassungsurkunde und legte zugleich sein Bundstagsmandat nieder. Dadurch genießt er keine Immunität mehr gegen Strafverfolgung. Die Universität Bayreuth hatte ihm den Doktortitel bereits in der vergangenen Woche aberkannt.

Nach Angaben der Internetseite Guttenplag Wiki wurden auf 324 der 393 inhaltlichen Seiten der Dissertation bislang plagiierte Stellen gefunden. Dies entspreche einem Anteil von mehr 82 Prozent. Demnach sind „nun 891 Plagiatfragmente aus über 120 verschiedenen Quellen“ dokumentiert. (dapd/rtr)