Gutachten stellt CO-Pipeline infrage

An Rhein und Ruhr..  Neue Hoffnung für die Gegner der umstrittenen Ko hlenmonoxid-Pipeline von Bayer: Ein im Auftrag des NRW-Umweltministeriums erstelltes Gutachten stellt das Gesetz infrage, mit dem Dutzende Grundstücksbesitzer für den Bau der 67 Kilometer langen Gasleitung zwischen Dormagen und Uerdingen enteignet wurden. Für das Industrieprojekt mit geschätzten Kosten von mittlerweile über 100 Mio Euro könnte dies das Aus bedeuten – ohne, dass die Pipeline je in Betrieb gegangen wäre.

Die Rohre liegen bereits seit dem Jahr 2009 in der Erde. Bayer benötigt Kohlenmonoxid (kurz: CO) für die Kunststoffherstellung. Das Gas aber ist hochgiftig, in der Bevölkerung gibt es große Ängste. Anwohner und Bürgerinitiativen hatten auf schwere Mängel bei der Planung, der Genehmigung sowie beim Bau der Pipeline verwiesen und gerichtlich bislang verhindern können, dass Gas durch die Leitung fließt.

Die Frage der Enteignungen ist juristisch heikel. Das entsprechende Gesetz war 2006 im Landtag in der Annahme verabschiedet worden, dass es keine Alternative zur Bayer-Pipeline gebe und der Bau der Leitung auch die wirtschaftlichste Lösung sei. Beides hat der Chemiekonzern stets behauptet.

Produktion in Uerdingen

Das 184-Seiten-Gutachten kommt nun aber zu dem Schluss, dass es viel wirtschaftlicher wäre, eine alternative CO-Versorgung am Standort Uerdingen aufzubauen. Auch mit der Pipeline müsse eine Vor-Ort-Produktion in Uerdingen errichtet werden. Der angebliche Kostenvorteil sei dahin – schlimmer noch: Die Herstellung sei so- mit um 60% teurer „im Vergleich zur Alternative CO-Erzeugung im Werk Uerdingen“. Die Gutachter der Büros Ifua (Bielefeld) und Iweb (Bochum) stützen sich auf Zahlen, die Bayer selbst bei den Behörden eingereicht hatte.

Das Gutachten, das gestern an die Landtagsfraktionen verschickt wurde, erreicht den Konzern zur Unzeit. Das Oberverwaltungsgericht Münster muss aktuell über die Rechtmäßigkeit der Enteignungen entscheiden – nun kommt eine wissenschaftliche Bewertung frei Haus. Ein Urteil fällt wohl im Frühsommer; in einer Anhörung in dieser Woche ließen die Richter durchblicken, dass sie Zweifel am Enteignungsgesetz hegen.

 
 

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