Günther Jauch gerät in ARD-Talk mit Sido aneinander: „Was ist das Problem?“

Das ist Günther Jauch
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Berlin. Unter dem Label „Talk am Dienstag“ liefert die ARD jetzt regelmäßig Talkshows am Dienstagabend. Und mit Rapper Sido und Günther Jauch waren zum Start direkt zwei hochkarätige Gäste dabei.

Es war allerdings ein recht schwacher Start für den vom rbb produzierten ARD-Talk „Hier spricht Berlin“ - zumindest aus Quotensicht. Nicht einmal eine Million Zuschauer schalteten zur Premiere ein. Die „NDR Talk Show“ erreichte eine Woche zuvor noch 1,4 Millionen Menschen.

Günther Jauch: heftiger Schlagabtausch

Diejenigen, die jedoch einschalteten, wurden bei „Hier spricht Berlin“ allerdings Zeugen eines heftigen Schlagabtauschs zwischen Rapper Sido (38) und Moderator Günther Jauch (63).

Alles begann in der ARD damit, dass Sido von seiner Kindheit in West-Berlin erzählte.

Sido und Günther Jauch zoffen sich in ARD-Talkshow

Dort habe er es schwer gehabt, weil er aus dem Osten Berlins stammte, so der Rapper: „War nicht einfach. Mit Mobbings und so. Und ich hatte ne Brille.“ Und weiter: „Die Brille konnte ich nicht verheimlichen. Deshalb hab ich wenigstens das Ostlerding verheimlicht.“

Seine Mutter sei mit ihm oft umgezogen, so Sido: „Und ich habe es von Schule zu Schule immer weniger Leuten erzählt.“ Doch dann spricht Moderatorin Jessy Wellmer ein Thema an, das weniger privat ist, als vielmehr sehr politisch.

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Das ist Sido:

  • Sido heißt eigentlich Paul Hartmut Würdig
  • Er wurde am 30. November 1980 in Berlin geboren
  • Sido ist ein deutscher Rapper, Schauspieler und Musikproduzent
  • Sein Künstlername wird von ihm als Abkürzung für „super-intelligentes Drogenopfer“ interpretiert
  • Früher stand es für „Scheiße in dein Ohr“ (eine Zeile Sidos aus dem Royal-TS-Track Terroarr!)
  • Im Laufe seiner Karriere hat Sido über 4,2 Millionen Tonträger verkauft
  • 2015 gründete er das Label Goldzweig
  • Seit 2012 ist er mit der Moderatorin Charlotte Würdig (geb. Engelhard) verheiratet

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Sido: „Man soll den 9.11. nicht feiern“

Sido habe mal gesagt: „Man soll den 9.11 nicht feiern. Weil das die Mauer nicht mehr da ist, heißt ja, dass sie mal da war.“ Der 9. November ist der Tag des Mauerfalls. Ein für Deutschland historisches Datum, das sich in diesem Jahr zum 30. Mal jährt.

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„Die Mauer ist ja nichts Gutes. Und mit dem Feiertag erinnert man ja daran. Ich finde, man sollte das einfach vergessen“, erklärt Sido. Dabei ist der 9. November strenggenommen gar kein Feiertag, der „Tag der Deutschen Einheit“ wird schließlich am 3. Oktober gefeiert.

Jauch ringt nach Sidos Reaktion mit der Fassung

Und Moderator Günther Jauch teilt Sidos Meinung so gar nicht: „Mir geht es ganz anders. Ich fand den 3. Oktober immer etwas seltsam. Ich finde den 9.November im Spiegel der deutschen Geschichte bedeutender.“

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Darum ist der 9.November so bedeutend für Deutschland:

  • Er gilt als „Schicksalstag der Deutschen“, weil auf ihn immer wieder bedeutende Ereignisse der deutschen Geschichte fielen
  • 1918: Sozialdemokrat Philipp Scheidemann ruft die „deutsche Republik“ aus. Kurz darauf verkündet der Spartakist Karl Liebknecht aus die „deutsche Räterepublik“.
  • 1923: Der gescheiterte Hitler-Ludendorff-Putsch
  • 1938: Reichpogromnacht
  • 1989: Fall der Berliner Mauer
  • Trotzdem ist heute der 3.Oktober der deutsche Nationalfeiertag. An diesem Tag trat die DDR offiziell der Bundesrepublik Deutschland bei
  • Frühere deutsche Nationalfeiertage waren der 11.August als „Verfassungstags“ (1921 bis 1932), also jenem Tag, an dem die Verfasungs der Weimarer Republik verabschiedet wurde
  • 1. Mai als „Tag der nationalen Arbeit“ (1933) und später als „Nationalfeiertag des Deutschen Volkes“ (1934)
  • 17.Juni in der Bundesrepublik Deutschland (1954 bis 1990) als „Tag der deutschen Einheit“ in Erinnerung an den Aufstand der DDR-Bürger im Jahr 1953
  • 7.Oktober als „Tag der Republik“ (1949 bis 1989) in der DDR als Erinnerung an das Gründungsdatum der DDR

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Der Hintergrund: Am 9. November fiel nicht nur die Berliner Mauer. 1918 wurde in Berlin die Republik ausgerufen und 1938 eskalierte das Nazi-Regime seine Politik gegen die Juden in der Reichspogramnacht.

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Sido ist das aber offenbar egal: „Aber das weiß ja heute keiner mehr. Finden Sie das wichtig?“ Jauch ringt nach dieser Reaktion sichtlich mit der Fassung: „Ich habe schon ein Problem damit, wenn jemand sagt: Naja, Geschichte hat angefangen, als ich zehn Jahre alt war und so gesehen hab, was es so gab.“

Streit findet keinen Einsichtigen

Doch Sido zeigt sich uneinsichtig: „Was ist das Problem damit, wenn jemand das nicht weiß. Man zwingt ihn dann etwas zu wissen, dass er nicht wissen will.“

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Das ist Günther Jauch:

  • Geboren 1956 in Münster zog Jauchs Familie schnell nach Berlin
  • Nach der Ausbildung an der Münchener Journalistenschule arbeitet Jauch als Sportmoderator beim Bayerischen Rundfunk und studierte gleichzeitig Politik und Geschichte
  • Mit 29 Jahren ging Jauch zum Fernsehen, wo er ab 1988 das „aktuelle Sportstudio“ moderierte
  • Von 1990 bis 2011 moderierte Jauch außerdem das RTL-Magazin „stern tv“
  • Seit 1999 moderiert er auf RTL außerdem „Wer wird Millionär?

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Hier platzt Jauch nun langsam der Kragen: „Zwingen soll man niemanden. Aber wenn Sie geschichtslos aufwachsen. Was bedeutet Freiheit für einen Menschen? Was bedeutet Demokratie für eine Menschen? Wenn ich sage: Ist mir alles egal.“ „Also sollen wir die Leute doch zwingen“, fragt Sido kritisch.

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Das ist „Talk am Dienstag“

  • Seit September hat die ARD den Talkshows der Regionalsender einen Sendeplatz am Dienstagabend freigeräumt
  • Gezeigt werden abwechselnd „Kölner Treff“ (WDR), „NDR Talk Show“, „3 nach 9“ (Radio Bremen) und „Hier spricht Berlin“ (rbb)

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Jauch erläutert: „Ich hätte nichts dagegen, wenn einmal im Leben der Besuch eines Konzentrationslagers auf dem Stundenplan ständ.“ Doch Sido zeigt sich uneinsichtig und schüttelt den Kopf.

Jauch scheint genervt - und schweigt

Als er später noch einmal das Thema anspricht, scheint Jauch sichtlich genervt und schweigt. Der Star-Rapper und der Moderator werden wohl in dieser Sache nicht mehr zueinander finden.

In der nächsten Ausgabe von „Talk am Dienstag“ zeigt Das Erste am kommenden Dienstag den WDR-Talk „Kölner Treff“.

Hier kannst du die komplette Sendung in der ARD-Mediathek ansehen --->

 
 

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