Grünen-Chef Habeck macht Aussage über Thüringen – die fliegt ihm um die Ohren

Robert Habeck
Robert Habeck
Foto: dpa

Bis zur Landtagswahl in Thüringen sind es noch mehr als neun Monate, der Wahlkampf hat aber längst begonnen – auch für die Grünen. Deren Chef auf Bundesebene, Robert Habeck, hat nun mit einer Aussage über Thüringen im Netz für Aufregung gesorgt. Die Partei musste zurückrudern, Habeck zog drastische Konsequenzen.

Auf Twitter veröffentlichten die Thüringer Grünen ein Video, in dem Robert Habeck sagte: „Wir versuchen, alles zu machen, damit Thüringen ein offenes, freies, liberales, demokratisches Land wird, ein ökologisches Land.“

Habecks Aussage über Thüringen: Kritik aus der Politik

Nicht nur den Wählern aus Thüringen passte die Formulierung so gar nicht. Schließlich lässt sich die Aussage so verstehen, dass Thüringen bislang weder offen noch frei oder liberal, geschweige denn demokratisch wäre. Das kritisierten auch Politiker.

Der SPD-Bundestagsgeschäftsführer Carsten Schneider aus Erfurt fragte sich: „In welchem Gefängnis habe ich die letzten Jahre gelebt?“ SPD-Vizechef Ralf Stegner nannte den Wahlkampfstil „ein bisschen überheblich“.

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Grüne machen Rückzieher

Die Thüringer Grünen nahmen das Video nach der Kritik wieder aus dem Netz und versuchten die Aussage zu erklären. „Liebe Leute, wir haben Robert Habecks Aufruf vom Netz genommen, weil viele ihn falsch verstanden haben: Nein, wir reden THÜ nicht schlecht. Auch Robert tut‘s nicht", schreibt die Partei auf Twitter. Mit der Aussage wäre gemeint gewesen, dass Thüringen einfach noch grüner und ökologischer werden solle.

Ganz so einfach wollten die Twitter-Nutzer die Partei aber damit nicht davonkommen lassen. „Wie peinlich ist das denn: falsch verstanden. Robert Habeck ist doch schon etwa länger im Politikgeschäft. Allgemein wird empfohlen: erst denken, dann reden/schreiben“, schrieb eine Nutzerin.

„Nein, nein, die „Leute“, genannt „Wähler“, haben das sehr gut verstanden“, schrieb eine andere. Ein Dritter erinnert: „Wie oft will Habeck sich denn noch entschuldigen dass man ihn falsch versteht – in Bayern war es ganz ähnlich?!“

Fehltritt schon bei Wahl in Bayern

Damit spielt er auf einen Ausrutscher Habecks im Wahlkampf vor der Landtagswahl im Oktober in Bayern an. Dort hatte er gefordert, die CSU-Alleinherrschaft zu beenden, damit man sagen könne: „Endlich gibt es wieder Demokratie in Bayern“.

Nach Kritik daran hatte er eingeräumt, „lasch formuliert“ zu haben: „Die Kritik daran nehm ich an. Das war im Wahlkampffieber einer zu viel. Sorry dafür!“

Soziale Netzwerke: Habeck zieht sich zurück

Als Konsequenz aus den Reaktionen auf seine Äußerung bei Twitter – aber auch auf den Datendiebstahl – zog der Grünen-Chef in den sozialen Netzwerken nun die Reißleine. Habeck zog sich aus Twitter und Facebook zurück. Das sagte er am Montag vor Beginn einer Vorstandsklausur der Grünen in Frankfurt (Oder). Twitter sei ein „sehr hartes Medium, wo spaltend und polarisierend geredet wird“, sagte er. Das färbe auch auf ihn ab. (jg/dpa)

 
 

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