Grüne wollten geschlechtsneutrale Sprache zur Regel machen

Doppelspitze bei den Grünen: die beiden Parteivorsitzenden Simone Peter und Cem Özdemir.
Doppelspitze bei den Grünen: die beiden Parteivorsitzenden Simone Peter und Cem Özdemir.
Foto: imago
Im Papier zu einer Delegiertenkonferenz fordern die Grünen eine Sprachrevolution. Ein Sternchen, der Genderstar, soll Gleichberechtigung bringen.

Berlin. Die Grünen leben mit einer Doppelspitze in der Partei die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen vor. Doch soll laut einem Antrag zur kommenden Bundesdelegiertenkonferenz die Gleichberechtigung nicht nur anhand von Personen, sondern auch in der Sprache zementiert werden. Die Partei setzt dabei auf ein Symbol, das zum Beispiel Bürgerinnen und Bürger in einem Wort zusammenfassen soll. Mit dem Sternsymbol „*“ entsteht dann etwa das Wort „Bürger*innen“. (Weiter unten lesen sie die geschlechtergerechte Variante dieses Textes)

Der Grund für diese Sprachrevolution sei, dass Sprache das Denken und die Wahrnehmung innerhalb der Gesellschaft forme. „Wer nur von „Ärzten“, „Anwälten“ und „Experten“ spricht, fördert indirekt die Vorstellung, nur Männer seien gemeint.“, heißt es in dem Antrag des Bundesvorstandes der Grünen. Der Antrag bedient sich bereits dieser Form und spricht auf 259 Seiten 18 Mal von „Bürger*innen“. Doppelungen wie bei „Verbraucher*innenschützer*innen“ seien zu vermeiden, stattdessen reiche die Kurzform „Verbraucherschützer*innen“ aus.

Studenten wurden zu Studierenden

Der sogenannte Gender-Star ist als Hauptform einer geschlechtergerechten Sprache vorgesehen, doch auch andere Schreibweisen seien möglich, so der Text im Antrag. Es könne weiterhin von Studentinnen und Studenten gesprochen werden, oder aber neutral über Studierende geredet werden. Für Studenten sind geschlechtsneutrale Bezeichnungen längst zum Alltag geworden. Die Universitäten sprechen in offiziellen Stellungnahmen von „Studierenden“; die Förderwerke an den Universitäten sind „Studierendenwerke“. Dieser Begriff ist auch gesetzlich vorgeschrieben, wie die Studierendenwerkgesetze in Hamburg und Nordrhein-Westfalen zeigen.

Die Universität Leipzig ging im Jahr 2013 noch einen Schritt weiter. In der Grundordnung der Universität sind ausschließlich die weiblichen Formen für die Hochschulangestellten zu lesen. Dort ist ausschließlich von einer Professorin, einer Rektorin zu lesen – unabhängig davon, ob der Mitarbeiter tatsächlich weiblich ist oder nicht. Zunächst hatten zahlreiche Medien berichtet, dass Studenten in Vorlesungen auch „Herr Professorin“ sagen sollten. Dies dementierte die Uni jedoch umgehend – die Sprachregelung beziehe sich ausschließlich auf das Papier der Grundordnung.

Gender-Debatte als Umwelthilfe

Während die Universität Leipzig offensichtlich nur ein Zeichen setzen wollte, scheinen die Grünen in größeren Dimensionen zu denken. Es geht nicht nur um die Gender-Frage, sondern auch um Effizienz in der Arbeitswelt und um das Kernthema der Partei: den Umweltschutz. Gegenüber „Spiegel Online“ sagte Gesine Agena, Vorstandsmitglied der Partei: „Mal wurde das Binnen-I eingesetzt, mal das Sternchen, mal der Unterstrich. Oft kursierten in diesem Zusammenhang zahlreiche Änderungswünsche, die mal die eine, mal die andere Variante bevorzugten. Das kostete Nerven und Papier“. Ein entscheidender Faktor fehlt jedoch in der Aufzählung. Auf die Zeit, die der Leser bei der ungewohnten Schreibweise verliert, gibt es keinen Hinweis.

So sähe dieser Artikel nach dem Änderungsvorschlag der Grünen aus

Die Grünen leben mit einer Doppelspitze in der Partei die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen vor. Doch soll laut einem Antrag zur kommenden Bundesdelegiert*innenkonferenz die Gleichberechtigung nicht nur anhand von Personen, sondern auch in der Sprache zementiert werden. Die Partei setzt dabei auf ein Symbol, das zum Beispiel Bürger*innen in einem Wort zusammenfassen soll.

Der Grund für diese Sprachrevolution sei, dass Sprache das Denken und die Wahrnehmung innerhalb der Gesellschaft forme. „Wer nur von „Ärzten“, „Anwälten“ und „Experten“ spricht, fördert indirekt die Vorstellung, nur Männer seien gemeint.“, heißt es in dem Antrag des Bundesvorstandes der Grünen. Der Antrag bedient sich bereits dieser Form und spricht auf 259 Seiten 18 Mal von „Bürger*innen“. Doppelungen wie bei „Verbraucher*innenschützer*innen“ seien zu vermeiden, stattdessen reiche die Kurzform „Verbraucherschützer*innen“ aus.

Student*innen wurden zu Studierenden

Der sogenannte Gender-Star ist als Hauptform einer geschlechtergerechten Sprache vorgesehen, doch auch andere Schreibweisen seien möglich, so der Text im Antrag. Es könne weiterhin von Studentinnen und Studenten gesprochen werden, oder aber neutral über Studierende geredet werden. Für Student*innen sind geschlechtsneutrale Bezeichnungen längst zum Alltag geworden. Die Universitäten sprechen in offiziellen Stellungnahmen von „Studierenden“, auf die Förderwerke an den Universitäten sind „Studierendenwerke“. Dieser Begriff ist auch gesetzlich vorgeschrieben, wie die Studierendenwerkgesetze in Hamburg und Nordrhein-Westfalen zeigen.

Die Universität Leipzig ging im Jahr 2013 noch einen Schritt weiter. In der Grundordnung der Universität sind ausschließlich die weiblichen Formen für die Hochschulangestellt*innen zu lesen. Dort ist ausschließlich von einer Professorin, einer Rektorin zu lesen – unabhängig davon, ob die Mitarbeiter*in tatsächlich weiblich ist oder nicht. Zunächst hatten zahlreiche Medien berichtet, dass Student*innen in Vorlesungen auch „Herr Professorin“ sagen sollten. Dies dementierte die Uni jedoch umgehend – die Sprachregelung beziehe sich ausschließlich auf das Papier der Grundordnung.

Gender-Debatte als Umwelthilfe

Während die Universität Leipzig offensichtlich nur ein Zeichen setzen wollte, scheinen die Grünen in größeren Dimensionen zu denken. Es geht nicht nur um die Gender-Frage, sondern auch Effizienz in der Arbeitswelt und um das Kernthema der Partei: den Umweltschutz. Gegenüber „Spiegel Online“ sagte Gesine Agena, Vorstandsmitglied der Partei: „Mal wurde das Binnen-I eingesetzt, mal das Sternchen, mal der Unterstrich. Oft kursierten in diesem Zusammenhang zahlreiche Änderungswünsche, die mal die eine, mal die andere Variante bevorzugten. Das kostete Nerven und Papier“. Ein entscheidender Faktor fehlt jedoch in der Aufzählung. Auf die Zeit, die Leser*innen bei der ungewohnten Schreibweise verlieren, gibt es keinen Hinweis.

 
 

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