Grüne wollen Munition aus Privathaushalten verbannen

Noch dürfen Waffenbesitzer die Munition für ihre Pistolen und Gewehre zuhause aufbewahren.
Noch dürfen Waffenbesitzer die Munition für ihre Pistolen und Gewehre zuhause aufbewahren.
Foto: Marc Sonneborn/WAZ FotoPool
Erfurt, Winnenden, Dossenheim: Seit 2002 gab es in Deutschland sieben Amokläufe mit 51 Todesopfern. Die meisten von ihnen starben durch eine amtlich registrierte Waffe. Die Grünen im Bundestag fordern daher nun strengere Gesetze. Im Blick haben sie, was bislang zumeist vergessen wurde: die Munition.

Berlin.. Eine neue Statistik über Amokläufe in Deutschland befeuert die Debatte über eine Verschärfung des Waffenrechts. Nach Angaben der Bundesregierung sind bei den sieben Amokläufen seit 2002 in der Mehrzahl amtlich registrierte Waffen benutzt worden, die überwiegend legal im Besitz der Täter waren.

Bei den Taten unter anderem in Erfurt, Winnenden und zuletzt in Dossenheim waren nach Recherchen unserer Redaktion 51 Menschen ums Leben gekommen. Laut Regierung waren in fünf Fällen die Waffen amtlich registriert, in vier Fällen auch legal im Besitz der Täter.

Waffen zu Hause? Nur ohne Munition

Die Grünen im Bundestag, die die noch unveröffentlichten Daten in einer Anfrage angefordert hatten, zeigen sich alarmiert und fordern nun eine Gesetzesverschärfung. „Die neuen Zahlen zeigen: Das Problem ist die Verfügbarkeit von schussfähigen Waffen im privaten Umfeld“, sagte Grünen-Innenexpertin Irene Mihalic. Bislang ist geregelt, dass Waffen und Munition zu Hause in sicheren Behältnissen wie Waffenschränken aufbewahrt werden dürfen.

Doch die Grünen fordern: Zumindest die Munition habe in Privathaushalten nichts zu suchen. „Die Munition muss mit klar geregelten Zugangsbestimmungen an einem anderen Ort gelagert werden“, sagte Mihalic. „Dies bedeutet zwar zusätzlichen Regelungsbedarf, aber die öffentliche Sicherheit hat hier absoluten Vorrang.“

Probleme mit dem Waffenregister

Die Bundesregierung erklärt in ihrem Schreiben jedoch, sie sehe keinen Anlass für eine Novellierung des Waffengesetzes. In dem Papier zieht die Regierung auch eine Zwischenbilanz des nationalen Waffenregisters, das Anfang 2013 eingerichtet wurde und in dem alle erlaubnispflichtigen Waffen und deren Besitzer elektronisch erfasst werden: Danach waren im Juni bundesweit rund 5,64 Millionen Schusswaffen und Teile von Schusswaffen registriert sowie 2,28 Millionen Waffenerlaubnisse.

Doch schränkt die Regierung ein, dass die Zahlen unter dem Vorbehalt einer bis 2017 andauernden Datenbereinigung stehen; eingerechnet in der Datei sind bislang auch inzwischen exportierte oder vernichtete Waffen. Grünen-Innenexpertin Mihalic reagierte mit Unverständnis: Laut EU-Richtlinie müsse das Waffenregister bis Ende 2014 stehen.

 
 

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