Grüne Jugend sagt Nein zur Flagge und kassiert Shitstorm

Stein des Anstoßes: eine Deutschlandflagge an einem Haus in Berlin.
Stein des Anstoßes: eine Deutschlandflagge an einem Haus in Berlin.
Foto: dpa
Die Grüne Jugend Rheinland-Pfalz hat gefordert, auf deutsche Fahnen bei den EM-Spielen zu verzichten. Es folgte ein kräftiger Shitstorm.

Mainz/Essen.. Fans sollen bei der Fußball-EM auf Fahnen verzichten – mit dieser Forderung hat die Grüne Jugend Rheinland-Pfalz einen Shitstorm im Internet ausgelöst. Am Freitag hatte der Grünen-Nachwuchs auf den sozialen Medien Facebook und Twitter erklärt „Patriotismus=Nationalismus. Fußballfans Fahnen runter!“. Im Lauf des Wochenendes schlugen die Wellen hoch.

Max Lucks und Julia Wenzel, Sprecher der Grünen Jugend NRW, berichten von zahlreichen Hasskommentaren, die auf den Seite der Grünen Jugend NRW, Rheinland-Pfalz und des Bundesverbands gepostet worden seien. Darunter seien Sprüche zu finden wie „arbeitet mal lieber gegen deutschfeindlichkeit ihr degeneriertes volk.....“ oder „Das sind grüne Nazis nichts weiter als Affen.“

Morddrohungen bei Facebook

NRW-Landessprecher Max Lucks sagte dazu: Sicherlich könne der Post der Grünen Jugend Rheinland-Pfalz in Zeiten der Fußball-Europameisterschaft als provokativ gelesen werden. „Die Reaktionen auf Social Media zeigen, dass der sogenannte Partypatriotismus durchaus Schnittmengen mit fremdenfeindlichem Nationalismus, Homophobie und anderen Formen der Menschenfeindlichkeit aufweist.“ Wenn Morddrohungen und Beleidigungen wie „Ihr Schwuchteln“ auf Facebook hinterlassen werden, seien die Grenzen der freien Meinungsäußerung definitiv überschritten. Er kündigt an, dass die entsprechenden Äußerungen dokumentiert und zur Anzeige gebracht würden.

Julia Wenzel ergänzte: „Wir begrüßen durchaus sportliche Aktivität und das gemeinschaftliche Feiern von Großereignissen, diese rechtfertigen jedoch keine menschen- und demokratiefeindlichen Aussagen und Angriffe. Wir wollen einen Sport und ein gesellschaftliches Miteinander, das alle Menschen mitnimmt, statt Einzelne und Gruppen herabzuwürdigen und auszugrenzen.“

Prominente Politiker kritisieren Grüne Jugend-Vorschlag

Kritik fürs Nein zur Flagge kassierte die Grüne Jugend auch von prominenten Politikern. Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) twitterte am Sonntagmorgen: „#GrüneJugend kapiert’s nicht: Fahnen der Fans sind das Gegenteil der Fahnen von einst: Symbol für weltoffenes, sympathisches Deutschland!“ Der SPD-Politiker Johannes Kahrs schrieb: „wie peinlich ist denn das. jetzt häng ich mir wieder ne deutschland flagge über den strandkorb. jawohl.“ CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte der „Bild am Sonntag“, die Unterstützung der Nationalelf mit den Nationalfarben sei gesunder Patriotismus. „Besser Patriot als ein Idiot“.

Über Facebook wurde der Beitrag bis Sonntagmittag rund 8000 Mal geteilt und kontrovers diskutiert. Die Grüne Jugend hatte bereits am Samstag trotz der teils heftigen Reaktionen bekräftigt: „Wir bleiben dabei: Freude am Fußball statt an der Nation!“ (stew/dpa)

 
 

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