Großaufgebot der Polizei sichert Erdogan-Demo

Düsseldorf/Köln.  In Nordrhein-Westfalen wächst die Sorge vor Ausschreitungen bei der für Sonntag in Köln geplanten Großdemonstration von Anhängern und Gegnern des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) forderte die Teilnehmer in einer Videobotschaft zum Gewaltverzicht auf. Der Rechtsstaat werde Ausgrenzung, Hass und Gewalt nicht tolerieren. Auch Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Polizeipräsident Jürgen Mathies mahnten die Teilnehmer zur Zurückhaltung.

Erwartet werden auf der Deutzer Werft mindestens 15 000 Erdogan-Anhänger, Polizeikreise rechnen aber inzwischen mit bis zu 30 000 Teilnehmern. Vier Gegenkundgebungen mit insgesamt bis zu 2500 Demonstranten wurden bisher angemeldet, darunter auch eine von Rechtsextremen. Die Polizei wird mindestens 2000 Beamte aufbieten, um für Ruhe zu sorgen.

Der Veranstalter der Großdemo bezeichnete die Kundgebung am Sonntag hingegen als „Bekenntnis für Demokratie und Freiheit“. Zu dem Protest aufgerufen hat die Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), die als verlängerter Arm der türkischen Regierungspartei AKP gilt. UETD-Generalsekretär Bülent Bilgi wehrte sich gegen Kritik: „Dass es Politiker in NRW gibt, die ein Verbot der Demonstration fordern, halte ich für ein Unding. Das ist inakzeptabel“, sagte Bilgi zur WR. Zuletzt hatte der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach ein Demonstrationsverbot ins Gespräch gebracht.

Der Pädagoge Ahmet Toprak (FH Dortmund) glaubt, dass Präsident Erdogan besonders gut bei den jungen Türkeistämmigen in Deutschland ankommt. „Ein beträchtlicher Anteil dieser jungen Menschen identifiziert sich mit der Türkei und nicht mit Deutschland. Viele können mit Merkel und Gauck wenig anfangen, aber mit Erdogan umso mehr“, sagte Toprak dieser Zeitung. Die jungen Leute litten unter fehlender sozialer Anerkennung. Erdogan, der aus einfachen Verhältnissen stammt, werde als „einer von ihnen“ wahrgenommen.

 
 

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