Gröhe offen für Lockerungen bei Blutspende

Berlin.  Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat sich offen dafür gezeigt, das Blutspendeverbot für Homosexuelle zu lockern. Es müsse überprüft werden, ob „neuere Testverfahren für Blutproben und eine bessere Einschätzung des Ansteckungsgeschehens einen befristeten Spenderausschluss - wie auch in den USA angekündigt - als Schutzmaßnahme ausreichend erscheinen lassen“, sagte der CDU-Politiker dieser Zeitung. Die entsprechende Richtlinie wird gerade von der Bundesärztekammer, Wissenschaftlern und Fachverbänden überarbeitet.

Nach dem Terroranschlag von Orlando hatten viele Homosexuelle Blut spenden wollen, durften es aber nicht. Die deutsche Regelung folge einer Risikobewertung durch Ärzte und Wissenschaftler, sagte der Minister. „Und an erster Stelle muss immer der Schutz der Empfänger von Blutspenden stehen.“ Nach den Erfahrungen mit HIV-infizierten Blutprodukten vor über 20 Jahren nehme er gerade die Sorgen der Patientenorganisationen der Bluter sehr ernst.

Nach den gesetzlichen Richtlinien sind in Deutschland Männer, die Sex mit Männern haben, von der Blutspende lebenslang ausgeschlossen. Die Experten beim zuständigen Paul-Ehrlich-Institut für biomedizinische Arzneimittel setzen sich derzeit für eine Lockerung dieser Regelung ein: Studien zeigten, dass mit einem Ausschluss von einem Jahr nach dem letzten Sexualkontakt eines Mannes mit einem Mann die Sicherheit der Blutprodukte nicht gefährdet werde.