Greta Thunberg und Luisa Neubauer: Böser Zoff hinter den Kulissen von „Fridays for Future“ vor Merkel-Treffen

Unmut vor dem Treffen mit Angela Merkel bei Fridays for Future. Greta Thunberg und Luisa Neubauer versuchen die Wogen zu glätten.
Unmut vor dem Treffen mit Angela Merkel bei Fridays for Future. Greta Thunberg und Luisa Neubauer versuchen die Wogen zu glätten.
Foto: Kay Nietfeld/dpa

Update vom 20. August 2020, 13.50 Uhr: Im Anschluss an das Treffen mit Angela Merkel gingen Greta Thunberg und Luisa Neubauer auf einen Pressekonferenz auch auf den Streit innerhalb der „Fridays for Future“-Bewegung ein. Im Vorfeld des Treffens mit Kanzlerin Merkel gab es Unmut, dass der Termin nicht abgesprochen gewesen sei (siehe Erstmeldung unten).

Greta Thunberg stellte klar: „Wir haben nie gesagt, dass wir 'Fridays for Future' repräsentieren.“ Vielmehr sei „Fridays for Future“ eine „Graswurzelbewegung, die aus Individuen besteht, keine förmliche Organisation“. Offizielle Vertreter gebe es nicht.

Auch der Offene Brief zur Klimakrise an alle EU-Regierungschefs, den Greta Thunberg und Luisa Neubauer an Angela Merkel übergaben, sei nicht im Namen von „Fridays for Future“ verfasst worden, stellte die Schwedin klar. „Diesen Unterschied möchte ich gerne klarstellen.“

Luisa Neubauer ergänzte: „Wir entwickeln uns als Bewegung immer weiter, in der Art, wie wir uns organisieren. Ich habe letzte Woche mit Konstantin telefoniert, und ich bin sicher, dass wir Wege finden werden, ich muss das aber nicht hier machen.“ Gemeint ist Konstantin Nimmerfroh von der FFF-Ortsgruppe Frankfurt am Main (siehe sein Statement in der Erstmeldung unten).

Erstmeldung vom 20. August 2020: Greta Thunberg bei Angela Merkel – Böser Streit hinter den Kulissen von „Fridays for Future“

Die Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future um Greta Thunberg und Luisa Neubauer will bei ihrem Treffen am Donnerstag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Druck machen, damit Deutschland und die EU ihre Anstrengungen im Kampf gegen die Erderwärmung verstärken.

Doch im Vorfeld des Treffens gibt es einen heftigen Streit.

Greta Thunberg trifft Angela Merkel – Luisa Neubauer: „Es sind krasse Zeiten"

Schon vorab erhöhte Greta Thunberg den Druck auf Merkel. Im Guardian verfasste Greta Thunberg einen Kommentar, der sich auch an Kanzlerin Merkel richtet: „Heute sprechen Regierungschefs in aller Welt von einer existenziellen Krise. Der Klimanotstand wurde auf unzähligen Diskussionsforen und Gipfeln debattiert. Kommissionen wurden gegründet, große Reden gehalten. Doch wenn es darum geht, in Aktion zu treten, sind wir immer noch in einem Status der Verweigerung.“

„Wir haben nur noch sehr wenig Zeit, bevor das 1,5-Grad-Ziel aus unseren Händen gleitet“, sagte die deutsche FFF-Sprecherin Luisa Neubauer vorab den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

Merkel müsse dafür sorgen, dass die Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens umgesetzt würden, fordert auch Luisa Neubauer gegenüber dem RND. „Das wollen wir besprechen.“

Die Weltlage sei „mit Blick auf den Klimaschutz desaströs“, deshalb gibt es viel zu besprechen, sagte Neubauer zudem den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Es sind krasse Zeiten, überall auf der Welt drischt die Klimakrise auf die Menschen ein.“ Nötig seien „unbequeme Taten“ und „ungewöhnliche Wege“, befand Neubauer.

Sie forderte zugleich, Lehren aus der Corona-Pandemie zu ziehen. Diese zeige, „dass alle gesellschaftlichen Akteure aus Politik, Regierungen, Medien, Wissenschaft und alle Bürger und Bürgerinnen in der Lage sind, eine Krise ernst zu nehmen. Und dann danach zu handeln und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.“

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Angela Merkel trifft Greta Thunberg und Luisa Neubauer – Heftiger Streit bei „Fridays for Future“

Hinter den Kulissen des Treffens entbrannte jedoch schon heftiger Streit in der deutschen „Fridays for Future“-Bewegung. Wie die taz berichtet, haben mehrere FFF-Ortsgruppen genug von den Alleingängen der Frontfrauen.

„Der Termin war überhaupt nicht abgesprochen“, kritisiert beispielsweise Konstantin Nimmerfroh von FFF in Frankfurt gegenüber der taz. Die Basisgruppen vor Ort seien erst wenige Tage vor den Medien über das Treffen mit Angela Merkel informiert worden. „Wir fühlen uns überrannt". Und weiter: „Solche Treffen führen in der Regel zu nichts außer zu PR-Bildern.“

Das ärgert auch den Kieler FFF-Aktivisten Ole Willerich: „Es ist schade, dass immer die gleichen Leute in der Öffentlichkeit stehen.“ Zwar leiste Neubauer gute Arbeit, aber andere und vielleicht auch radikalere FFF-Positionen würden nicht zur Geltung kommen, wenn ständig nur sie vor der Kamera stehe.

Eine andere Aktivistin, die von der taz anonym zitiert wird, findet: „Wir blicken jetzt auf zwei Jahre Bewegung zurück, in denen die Koalition nicht annähernd etwas gemacht hat, das uns dem 1,5-Grad-Ziel näher bringt. Man darf es nicht als Erfolg sehen, mit Frau Merkel zusammenzusitzen.“

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Mehr zu Klimaaktivistin Greta Thunberg:

  • Die 17-jährige Schwedin ist das Gesicht der Klimaschutzbewegung.
  • Sie initiierte die „Schulstreiks für das Klima“.
  • Daraus erwuchs die globale Bewegung „Fridays for Future“
  • 2019 wurde sie mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet und vom Time-Magazin zur Person des Jahres gewählt.

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Greta Thunberg und Luisa Neubauer bei Kanzlerin Merkel – „Sie will mehr als ein Foto“

Die belgische Klima-Aktivistin Adélaïde Charlier, die auch beim Treffen im Kanzleramt dabei ist, nannte das Gespräch in den RND-Zeitungen dagegen „eine große Gelegenheit“, um Merkel daran zu erinnern, „dass sie noch ein Jahr Zeit hat, um all den zögerlichen Politikern in Deutschland und Europa in den Hintern zu treten und wirkliche Klimapolitik zu machen“.

Sie erwarte ein „sehr ehrliches Gespräch“, sagte die Aktivistin Anuna de Wever den RND-Zeitungen mit Blick auf Merkel. „Als Wissenschaftlerin versteht sie, was die Klimakrise bedeutet. Als Kanzlerin weiß sie, dass die meisten Politiker die Krise nicht ernst genug nehmen.“

De Wever begrüßte, dass sich Merkel 90 Minuten für die Begegnung Zeit nehmen will. Dies zeige, „dass sie mehr will als ein Foto“.

Greta Thunberg poltert gegen NRW und Deutschland: „Ein beschämender Tag für Europa“

Im Mai polterte die Klimaaktivistin Greta Thunberg über Instagram gegen NRW und Deutschland.

(mag/AFP)

 
 

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