„Aktive Sterbehilfe“: Heftige Kritik von Jörg Kachelmann an Schulen nach „Friederike“

Das Orkantief „Friederike“ beschädigte viele Schulen in Deutschland – zum Beispiel diese Hauptschule in Duisburg.
Das Orkantief „Friederike“ beschädigte viele Schulen in Deutschland – zum Beispiel diese Hauptschule in Duisburg.
Foto: Christoph Reichwein / dpa
Viele Schulen brachen wegen „Friederike“ den Unterricht ab. Die GEW sagt: In NRW hätten Schulen ganz geschlossen bleiben sollen.

Berlin.  Viele Schulen in Deutschland hat die volle Härte des Orkantiefs „Friederike“ am Donnerstag offensichtlich überraschend getroffen: Am Vormittag beendeten sie den Unterricht frühzeitig und schickten die Schüler nach Hause – und brachten sie damit möglicherweise in Gefahr.

Einige Eltern berichteten davon, dass sich die Schüler ausgerechnet zu dem Zeitpunkt auf den Weg machen sollten, als der Sturm besonders heftig tobte. Anderorts wurden Eltern dazu aufgefordert, ihre Kinder abzuholen – was wiederum Tagesabläufe durcheinanderwirbelte.

Meteorologe Jörg Kachelmann empörte sich in den sozialen Netzwerken lautstark über die Praxis an vielen Schulen in Nordrhein-Westfalen, wo „Friederike“ am stärksten wütete. Aber auch in anderen Bundesländern wie Niedersachsen kam es zu Unterrichtsausfällen.

Kritik kommt nicht nur von dem früheren ARD-Moderator. „Es hätte eine ganz klare Empfehlung vom Schulministerium geben müssen, dass die Schulen an diesem Tag komplett geschlossen bleiben“, sagt Dorothea Schäfer, NRW-Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW unserer Redaktion. „Man kann nur von Glück sagen, dass keinem Schüler etwas passiert ist, teilweise sind die Bäume ja förmlich wie Streichhölzer umgeknickt“, sagt Schäfer.

Das Schulministerium habe sich aus der Verantwortung gezogen, kritisiert die GEW-Vorsitzende weiter. „Es war vorhersehbar, dass der Sturm katastrophale Ausmaße annimmt und eine Extremsituation auf uns zukommt. Viele Schulen und Eltern waren damit überfordert, dann kurzfristig zu handeln“, so Schäfer.

„Schutz von Leib und Leben“

Eine vorausschauende Entscheidung vom Ministerium hätte Klarheit gebracht. „Wenn es bereits am Mittwoch geheißen hätte, dass die Schulen geschlossen bleiben, hätten auch die Eltern noch die Chance gehabt, eine Betreuung für die Kinder zu organisieren“, meint die Gewerkschafterin.

Und weiter: „Viele Schulen hatten das Gefühl, alleingelassen zu werden. Ob der Unterricht ausfällt und der geplante Stoff behandelt wird, sollte in einer solchen Situation zweitrangig sein. Schließlich geht es hier um den Schutz von Leib und Leben.“

GEW-Vorsitzende fordert künftig Empfehlungen

Der Umgang mit dem Schulunterricht bei extremer Witterung ist Ländersache. Grundsätzlich liegt die Entscheidung über eine Schließung der Schule im Verantwortungsbereich der Schulträger.

Damit Schulleitungen – ebenso wie Schulträger – eine möglichst gesicherte Entscheidung über das ob und wann einer Schulschließung treffen können, ist die Gefährdungseinschätzung der für Gefahrenabwehr zuständigen Behörden einzuholen (Polizei, Feuerwehr, Deutscher Wetterdienst), heißt es auf der Seite des Schulministeriums NRW.

Die Schulaufsicht, betont GEW-Vorsitzende Schäfer, liege beim Land. Und deshalb sollte es künftig klare Empfehlungen aussprechen, um so Chaos und Schlimmeres zu vermeiden. Denn mit der aktuellen Regelung würden Schüler in Gefahr gebracht werden. (les)

 
 

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